TIENSHAN          SOMMER 2001

 

Der TienShan (Himmelsgebirge) erstreckt sich auf einer Länge von 2000 km und einer Breite von 400 km auf den Territorien Kirgisiens, Kasachstans und Chinas. Die höchsten Berge  wie der Pik Pobeda, 7439 m, und der Chan Tengri, 6995 m, und die längsten Gletscher,  z.B. der 60 km lange Inyltschek, liegen im Süd - Osten Kirgisiens.

Kasachstan und Kirgisien, zwei ehemalige Sowjetrepubliken, sind heute unabhängige Staaten, deren Völker in ihren Bräuchen und ihrer Kultur eng miteinander verbunden sind. Dabei sind in Kirgisien die Menschen mehr der Tradition verhaftet als in Kasachstan. Man findet in der kleinen Bergrepublik (Durchschnittshöhe 2000m)  heute wieder viele Familien, die zum nomadisierenden Hirtenleben zurückgekehrt sind, Rinder, Schafe und vor allem Pferde züchten und in den traditionellen Jurten leben.                                                                                                                   

In Kasachstan, neuntgrößter Staat der Erde, leben über hundert verschiedene Nationalitäten, wobei die Kasachen selbst nur 40%  der Gesamtbevölkerung ausmachen. Es ist auch das Land, in das zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Tausende Deutsche aus dem Saratover Gebiet zwangsumgesiedelt wurden.

Kasachen und Kirgisen gehören dem Islam an, einem Islam sehr liberaler Prägung.

Die Idee, in den TienShan reisen zu MÜSSEN, kam mir irgendwann in der Sächsischen. Nach mehreren Verschiebungen und Verzögerungen gab es dann im Juli/August 2001 keine Ausreden mehr; auch mein Visa hatte ich nach mehreren drohenden Nervenzusammenbrüchen rechtzeitig vier Tage vor Reiseantritt erhalten, und so saßen Kerstin und ich also im Flieger nach Almaty, der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans.

Doch bei Dauerregen sitzen wir dort erst mal zwei Tage fest. Als Malacham uns und Anatoli dann unterhalb des Eisstadions Medeo auf 1500m aus seinem Mossi schmeißt, scheint zwar die Sonne, doch schon nach wenigen hundert Höhenmetern werden wir von dicken Regenwolken verschluckt. Und so wird es die ganze Zeit sein: vormittags Sonnenschein, doch pünktlich 14.00 Uhr zieht sich der Himmel für ein paar Stunden zu, bei Sonnenuntergang wird es dann wieder schön. Aber das Schlimmste daran ist: Durch die für diese Jahreszeit ungewöhnlich vielen Niederschläge, die in der Höhe ja bekanntlich als Schnee runterkommen, sind viel Pässe unpassierbar.

Doch zunächst haben wir es nur mit dem üblichen Nachmittagsregen zu tun. Nach Überquerung der Pässe Butakovski (2900 m) und Furmanovski (2700 m) schlagen wir am Abend völlig erschöpft unser Zelt auf der Bolschaja Poljana (2200 m) am Fluss Levski Talgar auf. Immer an diesem und später am Turistenfluß entlang geht es die nächsten zwei Tage relativ gemütlich durch eine phantastische und abwechslungsreiche Berglandschaft. Blockmoränen, Schuttlawinen, Almwiesen, schneebedeckte Gipfel und immer wieder die TienShan-Tanne, die hier in einer Höhe bis zu 3000 m wächst...wie würde Siggi sagen? : " EINE LANDSCHAFT ZUM HEULEN SCHÖN "

Nun schon gut akklimatisiert schlagen wir unser Lager am Fuße des Pik Sovjetski Alpinisti (4300 m) und des Pik SGU (4250 m) auf und lassen uns von den nachts abgehenden Lawinen in einen unruhigen Schlaf grummeln.

Der Weg zum Pik Turistiv (ca. 4100 m) wird dann doch recht beschwerlich. Über Block- und Schuttmoränen erreichen wir zügig die ersten Ausläufer eines Schneefeldes, durch das Anatoli nun spurt. Oben bleibt nur wenig Zeit, die Aussicht zu genießen, durch noch tieferen, ziemlich weichen Schnee wühlen wir uns, teilweise bis zur Hüfte versinkend, über den Mutnyi-Gletscher wieder runter. Der Turistenfluss schneidet hier ein herrliches Tal in die Landschaft, durch das wir bis zum Oziornaya-Fluss wandern. Bis zu den Oberschenkeln im Wasser, uns aneinander festhaltend, müssen wir uns kurz vor dem üblichen Regen dreimal durch diesen durchkämpfen. Das Zelt bauen wir diesmal auf 3500 m auf dem Ozornyi-Paß, der kirgisisch-kasachischen Grenze, auf.

Die folgenden Tage lassen wir uns vormittags wieder von der Schönheit der Landschaft und nachmittags vom Regen erschlagen. Die Laune folgt dem Wetter. Wir beschließen auch schon mal den nächsten Urlaub. Kerstin favorisiert die Dominikanische, all inclusive. Ich hab noch keine genauenVorstellungen, bin aber sicher, Zelt, Schlafsack, Stiefel, einfach alles in die Kleidersammlung zu geben, um bei der nächsten blöden Idee rein ausrüstungstechnisch verhindert zu sein.

Derweil kommen wir ins Tal des Tschon Kenim !!! Die Weite ist unglaublich. Am Ende des Tals liegt, versteckt hinter einer Schuttmoräne der See Zhasyl-Kel.es soll sich dabei um einen der schönsten des gesamten TienShan handeln.

Schließlich erreichen wir den Ost-Aksu-Gletscher und gemessen an den vergangenen Tagen ist hier richtig was los. Von hervorragend ausgerüsteten Schweizern bis abenteuerlich anmutenden Kirgisen tummelt sich hier ziemlich alles .Der Sturm, bei dem wir unser Zelt aufbauen, legt sich erst, als wir in letzterem liegen und ein paar Russen laden uns zu Wodka und Pilzsuppe ein. (was Anatoli sehr missbilligt)

Der Ost-Bostery -Pass ist nicht begehbar, so gehen wir, wie die anderen auch, über den Nord-Aksu (4100 m).Wir sind viel zu spät und kommen in den Genuss eines Steinschlages.Na prima! Genauso muss Urlaub sein! Wenigstens lässt uns Anatoli aber diesmal mehr Zeit, die Aussicht von oben zu genießen (wohl als Belohnung dafür, daß wir keinen Stein auf den Kopf gekriegt haben *ggg* )

Als wir an diesem Abend unser Zelt, natürlich bei Regen, aufbauen, sind wir irgendwie ganz energielos. Ich pflege meinen verstauchten Knöchel und Kerstin ihren verdorbenen Magen. Der Pik Sovjetski Topograph schaut uns traurig zu. Da kommt uns ein Hirte, der uns seine Dienste anbietet, gerade recht. Am folgenden Tag reite ich dann hinter "Dshingis Khan" her, vorbei an den Hochlagern der Hirten durch eine grandiose Landschaft. Am Nachmittag tut sich vor mir mein Kindertraumzauberindianerland auf: Das Sommerlager !!! Vor unzähligen Jurten tummeln sich spielende Kinder, kochende Frauen und schwätzende Alte. Wir werden " Dshingis Khans " Familie vorgestellt und ein alter Mann fragt mich, ob ich aus der DDR komme !!!!

Die letzten Tage verbringen wir mit unseren neuen Freunden vom Gletscher am Issyk-Kul. Dann geht's mit dem Bus zurück nach Almaty. Dabei müssen wir uns an der kirgisisch-kasachischen Grenze freikaufen, weil uns angeblich irgendein Stempel fehlt. Was soll's.

Kaum in Hannover gelandet, habe ich schon wieder Fernweh und das mit der Kleidersammlung verschieb ich erstmal. Und Kerstin weiß gar nicht, wo die Dominikanische liegt.

                                      Natürlich gibt's auch ein paar Fotos

  


 

 

 

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