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Mit ohne Schnee
Rennsteigwanderung ohne Ski
18. 22. Februar 2008
Es sollte eine Woche im Schnee werden: Skiwanderung auf dem Rennsteig mit Übernachtung in den kleinen Schutzhütten, die da alle paar Kilometer rumstehen. Als mich Grit fragte, ob ich mitmache, war ich sofort begeistert. Das war so Anfang Januar und ganz Mitteleuropa schneefrei. Aber bis Mitte Februar würde schon noch genügend von dem weißen Zeug runterkommen. Wir haben uns alles sooo schön ausgedacht. In der Woche nach den Ferien sollte es von Montag bis Freitag von Blankenstein Richtung Oberhof gehen. Da wären bestimmt nicht so viele Leute unterwegs und wir hätten die Loipe quasi für uns allein.
Am Donnerstag vor dem betreffenden Montag dann das Krisentelefonat: Kein Schnee in Mitteleuropa.
Hm.
Naja.
Wandern wir eben.
Am Wochenende dann noch mal ein kurzer Anruf bei Grit. In meinem Rennsteigwanderführer sind zwischen Blankenstein und Neuhaus, also auf 50 km, wenige bis gar keine Schutzhütten eingezeichnet. Aber Grit hatte niegelnagelneue Karten vom Fips, und auf denen, beruhigte sie mich, sind  genug Schutzhütten angegeben.
Gut, so ging es also am Montag nach den Winterferien gut gelaunt mit dem Zug nach Blankenstein, was ungefähr den halben Tag dauerte. Dort, in Blankenstein, hatten wir schon die ersten Orientierungsschwierigkeiten, denn obwohl wir am ENDE des Wanderweges waren, gab es Hinweisschielder in mindestens drei Richtungen. Da kann frau schon mal durcheinanderkommen.
Naja, wir haben’s ja gefunden.
Am Anfang führte der Rennsteig sogar durch den Wald und war demzufolge auch ein Waldweg, was ich ja bis zu diesem Montag eigentlich als gegeben vorausgesetzt hatte. Ich kann jetzt auch nicht mehr genau sagen, ab wann aus dem Waldweg eine gut befahrene Straße wurde, nur dass wir in diesem Moment ganz froh waren, dass kein Schnee lag. Denn hätten wir die Ski nun auch noch tragen müssen... wir waren so schon bedient genug. Ungefähr 6 km ging es über Asphalt.
Am Kulmberg (das ist dann wieder im Wald) befand sich dann tatsächlich eine Schutzhütte und wir richteten uns für die erste Nacht ein. Also, erst fragte mich Grit, was da bellt. Ich beruhigte sie. Das war ein Fuchs. Dann erörterten wir die Frage, ob Füchse gefährlich sind, worauf Grit vorsorglich alles Essen wegpackte ( ich hab da so gewisse Erfahrungen in Lettland gemacht). Dann hörte ich nachts einen Schuss ( vermutlich ist der Fuchs jetzt tot). Wir schliefen trotzdem ganz gut.
Der Dienstag begann, wie der Montag geendet hatte: neblig. Aber schon in Rodacherbrunn entpuppte sich ein lieblos aussehendes Gebäude als schnuckeliges Kneipchen, in dem wir uns mit Apfelstrudeln, Sahne und leckeren heißen Kakaogetränken für den Tag fit machten. Sogar einen Waschraum mit Dusche!!! gab es da. Später am Tag kam sogar die Sonne raus. Und entlang des sogenannten Schönwappenweges gibt es wirklich reichlich Wappensteine zu sehen. Wir kamen jetzt allerdings nach  Bayern und da gibt’s, so weit wir auch liefen, keine Schutzhütten. In Steinbach am Wald ergaben wir uns unserem Schicksal und mieteten uns in einer Pension ein. Das wollten wir zwar eigentlich niemandem verraten, aber nun ist es raus. Und nicht nur das! Wir genossen die Betten, die Duschen, die Wärme. Das glaubt man kaum.
Der Mittwoch versprach ein schöner Tag zu werden, mit Sonnenschein und so. Laut Wanderführer sollte es neben dem als Straße ausgebauten Rennsteig auch einen Ersatzrennsteig geben. Naja, wir haben uns leidlich bis zur Schildwiese durchgeschlagen, wo wir kurz vor Thüringen in ein seltsames Vereinshaus eingekehrt sind. Während wir uns dort erzählen ließen, wie aus einem Wanderverein ein Eselsverein werden konnte, fing es an zu regnen. Trotzdem brachen wir irgendwann auf. Zum Gasthaus „Kalte Küche“, wo wir endlich zu unseren Thüringer Klößen zu kommen hofften... aber was kann man schon von einer Kneipe erwarten mit so einem Namen.
Unser Lager schlugen wir in einer Schutzhütte oberhalb von Spechtsbrunn auf. Das war zwar ziemlich nah am Ort, aber es war dermaßen neblig, dass wir davon ausgingen, dass keine bösen Buben kommen würden. Den Jäger hatten wir in der „Kalten Küche“ ja vorgewarnt. Im Übrigen wünschten wir uns einen netten Schotten in unsere Schafsäcke (wegen der Wärme natürlich). Den hätten wir uns sogar geteilt....
Am Donnerstag ging es dann über Restschnee weiter. Es war kalt und neblig. Überall  waren wieder Schuhe an Bäume und Schutzhütten genagelt. Verlassene Ski standen im Wald... alles sehr bedenklich. Aber es gab auch wieder schöne Herrensteine zu sehen, Grit hat Kultur in einer Weihnachtsschmuckausstellung gemacht, während ich mir lieber ein paar von diesen typischen schieferbedeckten Häusern angeguckt habe. Endlich gab’s da nach Neuhaus am Rennweg auch eine richtige Kneipe mit ordentlich Thüringer Klößen und allem was dazu gehört. Das wollten wir hier eigentlich jeden Tag essen.
Ein bisschen schwierig gestaltete sich an diesem Abend die Suche nach einer geeigneten Schutzhütte, obwohl es hier Weiß Gott genug gab. Aber wie das so ist: hat man die Auswahl, wird man wählerisch und rennt auch gern mal ein paar Kilometer mehr durch den Wald. Wir hatten dann eine super rustikale Hütte, in der es leider zog wie Hechtsuppe. Weil, die hatte nämlich sogar ein Fenster, von dem aus man bei gutem Wetter eine super Aussicht haben soll. Aber gutes Wetter hatten wir ja nicht. Dazu stürmte es und das sorgte für allerhand seltsame, furchterregende Geräusche im Wald, die uns gruseln ließen.
Am nächsten Morgen waren unsere Schlafsäcke pitschnass. Nicht vom Gruseln, nein! Von der Luftfeuchtigkeit. Aber war ja eh die letzte Nacht. Wir liefen zurück nach Neuhaus, von wo es mit dem Bus nach Saalfeld ging, wo Grit gern den Bäcker leergekauft hätte. Nach fünf Tagen Rennsteig kann man Menschen aber auch mit so einfachen Dingen glücklich machen. Da muss man nicht ins Hochgebirge.
Ich würde so ein paar Tage auf dem Rennsteig gern noch mal machen. Allerdings wirklich nur, wenn genug Schnee zum Skilaufen liegt. Und die Strecke Blankenstein- Neuhaus würde ich dabei aussparen, weil da müsste ich die Bretter zu oft tragen, was mich frustrieren würde. Auch würde ich nicht unbedingt noch mal in jener Pension in Steinbach am Wald übernachten wollen, weil die ist eigentlich nur schön, wenn man aus dem Wald kommt. Naja, und ich würde meine Schuhe schon mal paar Tage eher testen. Denn meine Wanderschuhe passten an zwei der fünf Tage seltsamerweise überhaupt nicht.  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

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