Rennsteigwanderung 

Ostern 2001

Eigentlich wollte ich im Februar 2002 ja auf dem Rennsteig langlaufen.Aber dann gabs, ausgerechnet als ich Urlaub hatte,keinen Schnee.Dabei gilt dieser Kammweg als relativ schneesicher,wovon wir uns letztes Jahr (2001 ) zu Ostern auch überzeugen konnten.Da wollten wir mit den Kindern ein paar Tage wandern,und,da es Mitte April ja schon relativ warm ist,in den Schutzhütten am Wegesrand übernachten.

Der Rennsteig zieht sich auf einer Gesamtlänge von 168,3 km als Höhenweg über den Kamm des Thüringer Waldes von Hörschel ( bei Eisenach ) bis nach Blankenstein im nördlichen Frankenwald.Da er früher gleichzeitig als Grenze zwischen den Kleinstaaten diente,findet man heute noch zahlreiche Grenzsteine.Dort,wo mehrere Ländle aneinandergrenzten,findet man die sogenannten Dreiherrensteine,wovon heute noch dreizehn existieren, und früher soll es sogar Vierherrensteine gegeben haben.Für unsere Kinder,die man ja auf langen Wanderungen immer etwas unterhalten sollte,waren diese Grenzsteine und die Frage ihrer Herkunft eine aufregende Geschichte.

 

 

Auf dem gut ausgeschiderten Wanderweg gibt es aller 2 - 6 km Schutzhütten unterschiedlicher Bauart und Größe,von denen sich die meisten hervorragend als Nachtlager eignen.

Wir starteten in Eisenach.Durch die wunderschöne und sehr empfehlenswerte Drachenschlucht gelangten wir zu unserem Ausgangspunkt "Hohe Sonne".Es war ja vor Ostern schon recht warm geworden und wir hatten prophylaktisch schon mal die kurzen Hosen rausgelegt.Dann aber wurde es immer kälter und feuchter...schließlich zogen wir in Wintersachen los und schon in der Drachenschlucht empfing uns ein unangenehmer Eisregen,am zweiten Tag schneite es schon mal kurz.Am Morgen hatte es da für die Kinder ein schönes Erwachen gegeben,als ein Hundeschlittengespann vorbeikam und der Musher die Kids eine Runde drehen ließ.Weil ich Dusel die Brenntabletten vergessen hatte,mußten wir uns in Ruhla noch mal der Zivilisation stellen,allerdings ohne Erfolg.Zum Glück gab es noch ein paar andere Irre,die auf die selbe Art und Weise unterwegs waren wie wir,die schenkten uns ein paar der Dinger,so daß sich mein überaus schwieriges Verhältniss zu meinem Kocher etwas entspannte.

Ausgerechnet in der folgenden Nacht,in der zum Ostersonntag,schliefen wir in der Brotteroder Hütte,die eher einem Pavillon gleicht.Aber was soll's,dachten wir,wir haben ein Dach überm Kopf und schlafen ja unten auf dem Boden,wo uns die Holzwände vor dem Wind schützen...was störts uns da,daß die Hütte oben rundum offen ist.

Leider kehrte in dieser Nacht der Winter mit voller Wucht und Schneefall zurück.Nachdem ich von der weißen ,kalten Masse im Gesicht geweckt worden war, konnte ich nur schlecht schlafen,weil ich mich immer wieder davon überzeugen mußte,das Kleininch warm IM Schlafsack liegt.Zwar hat sie schon einige Erfahrungen im Draußenschlafen und hatte schon weit kältere Nächte überstanden,aber sie hat nun  mal auch die unangenehme Angewohnheit,sich ständig aus ihrer Hülle zu wurschteln.So hatte ich auch in jener Nacht mehrmals das Vergnügen,sie wieder zurückzustopfen.

 

 

Am Morgen dachten dann etwa 15 Herren sie hätten eine Erscheinung,als sie aus dem Nebel kamen,an der Hütte,auf deren Schwelle ich in meiner schönen langen Unterwäsche stand, vorbeimarschierten - ich hab natürlich allen einen schönen Guten Morgen gewünscht - und wieder im Nebel verschwanden.

Wir stapften dann durch Nebel und Schneegestöber zum Inselsberg,quartierten uns dort in der Jugendherberge ein,trockneten die Schlafsäcke,feierten Ostern und meinen Geburtstag und zogen am Ostermontag weiter.

                    

Das Wetter hatte natürlich seine Vorteile.Erstens ist es im Winter viel schöner als im Sommer,jedenfalls in Thüringen.Zweitens trauten sich keine Osterspaziergänger in den Wald,so daß wir die Natur wirklich genießen konnten.Natürlich sind wir mindestens ein mal am Tag an einem Gasthaus oder Parkplatz mit Imbißbude vorbeigekommen.Schließlich wanderten wir ja mitten in Deutschland und nicht irgendwo in der Wüste, und der Rennsteig kreuzt halt ab und zu auch die Straße.Aber wir hatten irgendwie auch nichts gegen Thüringer Rostbratwürste einzuwenden und auf den Kaffee hab ich mich sogar jedenTag gefreut.

Nach fünf Tagen endete unsere Wanderung am Grenzadler in Oberhof.

 

 

Nach einem kurzen Besuch im Schießstadion ging es mit Bus und Bahn zurück nach Eisenach,wo uns das Inchauto zwecks Heimfahrt erwartete.

 

 

 

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