Verständigungsschwierigkeiten?

 

Als Elli und ich zum 1. Mal nach vielen Jahren wieder beim Biathlon waren, das muss so 1999 gewesen sein, vielleicht auch 2000, hatten wir uns eigentlich erst am Donnerstag spontan dazu entschlossen. Damals war Oberhof noch kein Event und die Leute, die dahin gefahren sind, wollten eigentlich nur Biathlon sehen.

Ich hab Elli also aus der Schule abgemeldet und wir sind Freitag in aller Herrgottsfrühe nach Oberhof. Parkplätze gab’s damals ja noch genug. Auch ging es damals noch sehr familiär zu. Katrin Apel und Andrea Henkel rannten nach den Rennen immer quer über den Parkplatz am Grenzadler und mussten ständig für Hobbyfotografen posieren.

Elli war damals 14 oder 15 und sammelte Autogramme. Wir standen also nach den Rennen immer auf dem Waxberg oder Parkplatz rum, wo ich Ausschau nach potentiellen Opfern hielt. Ein paar kleine Mädchen, auch so in Ellis Alter, haben schnell mitgekriegt, dass ich die Biathleten tatsächlich erkenne, so scharte sich immer eine kleine Meute Autogrammjägerinnen um uns. Naja, Elli hat einen Haufen Autogramme sammeln können... nur Raph, der ist uns immer durch die Lappen gegangen. Da Raphael Poiree zu jener Zeit noch nicht der ganz große Superheld war, war er noch nicht so bekannt, und auch ich musste zweimal hingucken, eh ich ihn erkannte. So ist er uns mindestens einmal durch die Lappen gegangen.

Aber dann...

Ich musste auf Toilette. Elli auch. Auf dem Waxberg standen ein paar Dixies rum. Da man aber im Winter nun mal viel anhat, kann so ein Toilettengang ganz schön umständlich werden. Also hab ich mich vor so’nem Dixie postiert, Elli hat ihre überzähligen Klamotten ausgezogen und mir mitsamt Stift und Autogrammbuch in die Hand gedrückt.

So stand ich da...

... als ein Kleinbus vorfuhr...

.. und neben dem Dixie hielt!

Das, in dem Elli saß.

Dann stieg das komplette Französische Herrenteam aus – inklusive Raphael Poiree! Der Bus fuhr wieder ab, und die Jungs wühlten ein bisschen aufgeregt in ihren Waffentaschen rum.

Oh Mann: ELLIIII!

Endlich kam sie raus. Ich drückte ihr schnell ihr Autogrammbuch und den Stift in die Hand und zeigte ihr den Franzosen. Dann bin ich ins Klo verschwunden (hatte da schließlich ne Weile angestanden). Ich brauchte eine Weile, weil ich hatte meine Klamotten ja nicht Elli in die Hand drücken können... und überhaupt.

Als ich es endlich geschafft hatte, stand draußen ein leicht verwirrtes Kind.

„Das war gar nicht der Poiree“

 „Nee?“

„Die haben mich ausgelacht“

„Oh, wieso denn, was ist denn passiert?“

Also, das Kind hat sich angezogen, ist zu den Franzosen und hat den, den ich für Raphael Poiree hielt, um ein Autogramm gebeten. Der hat kurz aufgeblickt, was gesagt, und weiter in seiner Tasche rumgewühlt.

„Ja, und dann?“

„Na, da bin ich gegangen... und dann haben die immer zu mir geguckt und gelacht“

„Ach so? Ja, aber was hat der denn zu dir gesagt?“

„Weiß ich doch nicht. Ich kann kein Französisch“ (Das Kind spricht Englisch und Russisch)

Hm, ich sehe die Franzosen grad noch mal am Waxberg vorbei Richtung Stadion gehen. Mittendrin Raph. „Nein“, meint das Kind, „das ist er nicht“. Der hat ihr kein Autogramm gegeben.

Merkwürdig.

Das Rennen ist irgendwann vorbei, wir stehen wieder am Waxberg, da kommt der Poiree. Diesmal gehe ich mit hin. Und Elli kriegt ihr Autogramm. Sie ist sich ganz sicher, dass das derselbe Typ ist, wie der neben dem Dixie.

Merkwürdig.

Vielleicht wollte er ja nur fait ses bagages? Hat das Ellikind erschreckt und das anschließende Gelächter bezog sich auf die Frotzeleien seiner Kumpel, weil er das kleine Mädchen verscheucht hat?

Wir werden’s wohl nie erfahren.

Elli mit Katrin Apel

 

 

 

 

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