Eine Bootsfahrt, die ist lustig 

Ich kann den Bericht zur Rad-Schiffsreise, die eigentlich erst am 3. Mai begann, nicht beginnen ohne den 1. Mai zu erwähnen. An besagtem Kampftag, der 2008 auch noch mit dem Herrentag zusammenfiel, quasi also als Tag der Arbeit UND des Herrn gefeiert werden durfte, erfreuten sich einige Freunde und ich an einer Dampferfahrt der besonderen Art, sozusagen als Vorbereitung auf die Moselreise.
Das FZML lud zu einer „musikalischen Rundreise auf dem Karl-Heine-Kanal“  ein und die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz Rot beehrte aus diesem Anlass die Heldenstadt. Auf drei Beibooten folgten 60 begeisterte Altrevolutionäre der MS Weltfrieden, auf welcher die Kapelle Musik von Hans Eisler bis Kurt Cobain zum besten gab. Mit dem Liedgut bestens vertraut, durfte fröhlich mitgesungen , und, auf Geheiß der Musiker  unter den zahlreichen Brücken aus vollstem Hals geschrien werden. Nicht so textsicher erwiesen sich die vielen Jungrevolutionäre, die sich in piratöser Manier dem Konvoi anschlossen. Derweil fand sich viel tanzlustiges Publikum an den Ufern unseres schönen Kanals an, applaudierte höflich von den Balkonen ihrer Lofts, jubelte und winkte den Musikern und uns von Brücken und Stegen zu.
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 Nach dieser fröhlichen Einstimmung trafen am Vormittag des 2. Mai erst der Ecki, dann Ulli und schließlich Volker und Reini bei mir ein. Gemeinsam brachen wir Richtung Süden auf, nach Müden an der Mosel, wo wir  gedachten, uns zu akklimatisieren. Volker nahm bei Ankunft in besagtem Weinort sofort Kontakt zur örtlichen Bevölkerung auf und ich lernte, dass Schwarzbier=Malzbier ist und ein kleines Bier wirkliche SEHR klein. Am nächsten Morgen vergaß Ecki wo er ist und machte sich auf den Weg zum Thürmsdorfer Bäcker. Zum Glück bemerkte er seinen Irrtum rechtzeitig, so dass die „Gruppe Heese/5 Personen“ nach Cochem, dem Ballermann an der Mosel, aufbrechen konnte, wo wir Bib und Mario trafen. Nun mehr zu Siebent machten wir uns auf den Weg nach Wasserbillig in Luxembourg. Dort sollten wir einschiffen. Zunächst vergnügten wir uns allerdings auf dem „Spatzfest“ und erwarten die Ankunft der restlichen sieben Mitglieder unseres Schiffsabenteuers.
Natürlich waren wir nicht die Einzigen auf der „Eva Josiena“, einem umgebauten Frachtdampfer aus dem Jahr 1924. Zwei Gruppen zu je 6 Personen und so zwischen 65-70 Jahren wagten das Abenteuer, mit uns auf einem Boot zu nächtigen. Es gab auch gleich am Sonntagmorgen Beschwerden wegen ruhestörenden Lärms. Und das, obwohl Kapitän Andy extra ein paar Kilometer flussaufwärts angelegt hatte, damit sich niemand vom Spatzfest belästigt fühle.
Nuja, wie auch immer. Am Sonntag ging‘s per Fahrrad nach Trier. Dort trafen sich ausgerechnet an diesem 4. Mai alle Katholen Deutschlands zur Seligsprechung der Rosa (das ist kein Witz!!!), der Dom war deshalb geschlossen und uns blieb eigentlich gar keine andere Wahl, als Karl Marx‘ Geburtshaus aufzusuchen. Na gut, drei Freunde waren im Amphitheater und zwei haben mit unseren älteren Mitreisenden an der Stadtradführung teilgenommen. Denen ist aber allen ein politisch korrektes Picknick in Charlies Garten entgangen.
Am Nachmittag lag unser Schiff in Wormeldange, wohin wir uns mit unseren Rädern verfügten und bei dem wie immer von Koch Jörg ausgezeichnet zubereiteten  Drei Gänge Menü auf das abendliche Gelage auf Deck vorbereiteten. Andi hatte schließlich so leckere Weine an Bord...
Am nächsten Tag hab ich gekniffen. C. und Reini wollten aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Tour nach Luxembourg Stadt nicht teilnehmen, ich wollte mich 11:00 Uhr mit einem Bekannten treffen und war mir ziemlich sicher, dass ich die Strecke durchs bergige Hinterland nicht in 90 min schaffen würde. Also nahmen wir drei den Bus. Das ist ja auch sehr unterhaltsam und bietet vor allem, wie von C. auf der Rückfahrt eindrucksvoll demonstriert, ausgezeichnete Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit der örtlichen Bevölkerung.
Luxembourg Stadt ist mit oder ohne Rad eine Reise wert. Marcel hat uns vor allem die Oberstadt gezeigt und wir haben dabei viel über das Land gelernt. Z.B. das das damalige Herzogtum einige Ländereien nicht durch Krieg sondern die Spielsucht seines Herzogs verloren hat, was ja irgendwie sympathisch ist, sympathischer jedenfalls als dieses dauernde Säbelgerassel. Da darf sich das Ländle, derart geschrumpft, nun auch Großherzogtum nennen. Oder das der amtierende Premierminister sich durch das Geläut der in der Nachbarschaft befindlichen Kirche nicht stören lassen darf, schließlich sind seine Wähler brave Christen. Die Bevölkerung des gesamten Landes ist so groß wie die von Leipzig und besteht zu 1/3 aus Portugiesen. Luxemburgisch ist eine Mischung aus Deutsch und Französisch, die Schüler lernen ab der 1.Klasse Deutsch, ab der 2. Französisch und ab der 8. Englisch. Die Ministerien sind höchst unbewacht, angenehm unaufdringlich und man kann im Prinzip an jedermanns Tür klopfen. Allerdings gibt es in der Stadt eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Anzug- und Schlipsträgern...
Den Abend haben wir wieder alle gemeinsam verbracht, in Schengen, aber nicht auf dem Schiff, sondern in einer sehr knuffigen Kneipe im Dreiländereck, wo wir mit unserem Aufkreuzen die Kapazität der Biergläser fast gesprengt hätten.
Sehr gemütlich ging es am folgenden Tag weiter nach Thionville in Frankreich. Eigentlich wollten wir unterwegs einen Abstecher in die Berge machen. Ich hab mich dann aber spontan entschlossen, auf dem Moselradweg zu bleiben. Zugegeben, die Tagesstrecken entlang der Mosel waren nie wirklich lang, aber bei dem Wetter und mit einem guten Buch... das war schließlich KEINE Sportleistungsfahrt.
In Thionville mussten wir dann irgendwie sehr lange auf Andy und sein Boot warten, was vor allem unsere älteren Mitreisenden etwas nervös machte. Wir haben die Wartezeit im Café und am Ufer, bei der Betrachtung knackiger Französischer Gendarmen auf Fahrrädern verbracht. Später haben fast alle an einer Stadtführung teilgenommen, was teilweise recht interessant war.
In Thionville dreht das Schiff, d.h. am folgenden Tag ging es zurück nach Luxembourg. Unterwegs  fanden wir noch an Französischer Seite das hübsche Örtchen Sierck les Baines, mit Burg und Gassen und alten Häusern und allem was man eben in Frankreich erwartet.
Den Abend und die Nacht haben wir dann in Remisch verbracht, bevor es nach Deutschland zurück ging. Dort gibt es zwar viele Biergärten, aber die hatten fast alle zu. Erst kurz vor Oberbillig fanden wir eine. Als wir dann weiter wollten passierte das Unvermeidliche: C. hatte ne Panne. Wie sich herausstellte, ist mein neues Multitool für Fahrräder total ungeeignet und trotz der Mithilfe eines Radrennfahrers konnte der Schaden nicht behoben werden. Also haben wir C. auf eine Bank gesetzt, ihr ein Buch in die Hand gedrückt und sind weitergefahren...
Wir Frauen nach Oberbillig.
Ecki, der Gute, nach Konz, Autoschlüssel holen.
Dann nach Wasserbillig, Auto holen.
Dann zur Bank, C.und kaputtes Rad holen.
Dann nach Konz, C. und Rad zum Schiff bringen.
Wir waren inzwischen in Oberbillig zur Weinverkostung...
Am letzten Tag haben wir uns eine Fahrt auf dem Schiff gegönnt..
...außer Ecki, der ist mit dem Auto nach Wasserbillig gefahren.
Dort hieß es dann Ausschiffen.
Und weil so schönes Wetter war, hab ich zu Hause meinen Rucksack umgepackt, das Kind geschnappt und bin am nächsten Tag gleich weiter in die Sächsiche gefahren...
Eckdaten:
Buchbar über Spielmann-Reisen
7 Tage Rad-Schiffsreise im Drei-Länder-Eck
Moselradweg Trier- Thionville
Täglich Radstrecken zwischen 33 und 65 km, die durch Fahrten ins Hinterland verlängert werden können (die längste Tagesstrecke unserer Gruppe lag bei 78km)
 
 

 

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