Inselhopping

auf den Westschottischen Inseln 2011

Intro

Nachdem ich die Nachwirkungen meiner Rücken-OP im letzten Jahr gut auskuriert hatte, wagte ich mich im August wieder an einen Backpacker- Urlaub. Ich wollte ja schon immer auf die Schottischen Hebriden. Dass es dann die Inneren statt der Äußeren wurden, lag an den Tickets fürs Military Tattoo, die Marion überraschend besorgte.

Aber, auch die Inneren Hebriden waren aufregend und schön genug. Und auch so nah am Festland kann man wegen Sturm festsitzen.

Ich war, außer als ich zurück auf’s Festland fuhr, allein unterwegs. Und habe es genossen. So konnte ich mein eigenes Tempo bestimmen und vorgefasste Pläne über den Haufen werfen oder den Gegebenheiten anpassen, eine Option, die man sich unbedingt offenhalten sollte, denn beim Inselhopping vor Schottlands Westküste wird man schnell wieder von Dingen abhängig, die wir Menschen nicht kontrollieren können. Man lernt,  dass Zeit nicht immer mit Uhren gemessen wird und manche Schönheiten nur dazu da sind, um sie zu genießen und zu bestaunen. Und auch, dass ich mich einmal wirklich sehr allein gefühlt habe und dieses Gefühl aushalten musste, war eine wichtige Erfahrung.

Weil es auf den Hebriden nicht gerade von Hostels wimmelt, hatte ich mir ein Backpacker-Zelt gekauft, habe aber dann auch mal in einem Hotel und eine Nacht im B&B geschlafen.

 

1: Pläne sind Schall und Rauch

Man lernt sehr viele Menschen kennen, wenn man in einer warmen Sommernacht in der schottischen Hauptstadt rumsitzt und auf den Bus nach Glasgow wartet. Noch mehr lernt man kennen, wenn der Bus nicht kommt und man noch 90 min länger sitzen darf.  Dann, so kurz nach 3, fand ich noch als eine der letzten einen Platz im nächsten, während das Mädchen, das, in der Schlange stehend, den Kopf auf meinen Rucksack gelegt, schon ein bisschen am Einschlafen war, mit vielen anderen jungen, mehr oder weniger betrunkenen Menschen zurück blieb.

70 min später waren wir in Glasgow, Buchanen Bus Station. Alles stob auseinander, auch mein Englischer Nachbar, der mich unterwegs mit seinem typisch Britischen Humor unterhalten hatte. 4:20 allein auf dem Glasgower, geschlossenen, Busbahnhof beschloss ich, auf dem Hauptbahnhof zu überleben und trollte mich zum Central. Unterwegs machte ich schon einige Bekanntschaften mit betrunkenen Herren.

Der Central hatte geschlossen.  Ein Taxifahrer riet mir, lieber in ein Hostel zu gehen,  da es hier zu gefährlich sei. Ich fragte ihn stattdessen, wann denn dieser Bahnhof öffne. 6:00 Uhr meinte er, aber, nuja, am Sonntag könnte es auch später werden.
Ich schloss ein paar zusätzliche Herrenbekanntschaften, lief noch mal zum Busbahnhof und wieder zurück und war froh, als die Sonne die Nacht schlafen schickte.
9:30 Uhr fuhr endlich ein Bus und der Fahrer war so liebenswürdig, mich nach dem Stop an der Endhaltestelle noch bis zum Ferry Terminal zu fahren..
So schuckelte ich im Halbschlaf nach Ardrossan, der Hafenstadt in North Ayrshire. Natürlich verstand ich kein Wort, als sich der Busfahrer mit einem Einheimischen unterhielt und natürlich verpasste ich die Fähre. Immerhin konnte ich sie noch davon fahren sehen... und 2 Stunden auf die nächste warten.
Arran empfing mich mit Sommer, Ebbe, Steinen im Atlantik, Schiffsfracks, weißen Häusern und Palmen. Das machte alle Unbill der vergangene Stunden vergessen. Die ganze Zeit grinsend wie ein Breitmaulfrosch schleppte ich, nach dem Desaster der vergangenen Nacht total happy, mich und meinen Rucksack zur campsite.

Der Zeltplatz liegt, etwa 2 Meilen entfernt, idyllisch im Glen Rosa, Blick zum Goatfell. Mein kleines neues Backpacker Zelt ist wirklich winzig. Und doch passen ich, mein Schlafsack, meine Isomatte UND mein Rucksack hinein. Ich würde gern noch eine kleine Wanderung machen, kehre aber nach 500 m um. Ich bin fertig. Fix und fertig. Krieche sozusagen auf dem Zahnfleisch.

Nein, denke ich beim Einschlafen, morgen kann ich noch nicht loswandern. Ich brauche einen Ruhetag. Pfeif auf meinen Plan, die 80 km in 5 Tagesabschnitten zu wandern. Ich muss ausschlafen... Es ist 18:00 Uhr und ich bin seit 34 Stunden auf den Beinen...

 

2 . Der Arran Coastal Way

Am nächsten Morgen wecken mich die Rufe des Rotwildes noch vor Sonnenaufgang.

Um mir noch ein bisschen Erholung zu gönnen, beschließe ich, die erste geplante Teilstrecke mit dem Bus zu fahren und dann zurück zu wandern.  Leider verpasse ich den Bus um 15 min als ich 8:20 Uhr an der Haltestelle stehe.

Ein Arbeiter der Arran Whisky Destillery nimmt mich mit bis Sannox und während der Fahrt erfahre ich, dass knapp die Hälfte des Wanderweges  auf der Straße, also über Asphalt, entlang führt. Das klang im Internet ganz anders und  klingt irgendwie  nicht nach übermäßig viel Spaß.

Nachdenklich steige ich in Sannox aus und laufe erst mal Richtung Corri zu einer Robbenbank. Ein irres Erlebnis! Ich war frei lebenden Seehunden und Robben noch nie so nah! Große und kleine  lümmeln an der Küste rum und nehmen kaum Notiz von mir. Eine ganze  Stunde sitze ich zwischen ihnen und genieße den Anblick und die Ruhe (ich bin ja seltsamerweise ganz allein hier, obwohl es in Corri immerhin ein Hotel und in Sannox einen Pub, also Menschen, gibt). Dann wandere ich zu den Fallen Rocks ( Das ist ein Stück Coastal Way, der tatsächlich an der Küste lang führt) und zurück ins Glen Rosa auf einem Waldweg, den mir der Whiskybrenner gezeigt hat.

Weil  mir die Aussicht, 40km auf Asphalt zu laufen, nicht besonders verlockend erschien, beschloss ich, die Insel mit dem Bus zu erkunden und nur die Abschnitte zu wandern, die direkt an der Küste entlang oder durch Hinterland führen. Da auf Arran mehrmals täglich ein Bus rund um die Insel fährt, den man mit einem Tagesticket überall und jederzeit anhalten kann, lässt sich das relativ einfach bewerkstelligen.

Ich fuhr also am Dienstag nach Machrie. Machrie besteht nur aus einem Haus. Hat aber einen Golfplatz, der über die Straße geht, und natürlich einen Parkplatz (für die Golfer). Überhaupt scheint auf der Insel, 3000 Einwohner, jeder brauchbare Flecken in einen Golfplatz umgewandelt worden zu sein. Und ich sah da auch ständig 3-5 Leute spielen. Das scheint wirklich eine Art Nationalsport zu sein.

Beim Wandern war  ich dagegen  meistens allein. D.h. in Machrie Moor traf ich zwei mal Menschen. Immerhin gibt es dort 10 (in Worten zehn) Steinkreise und die ziehen schon mal den einen oder anderen Besucher an. Es ist unglaublich. Die Steinkreise, die Stille, der Blick zum Meer und übers Land. Leider blieb es den ganzen Tag bewölkt, aber es regnete nicht.

In Blackwaterfoot stieg ich dann in den falschen Bus. Es gibt hier nämlich nicht nur die eine Straße, die rund um die Insel führt, sondern noch eine zweite, die die Insel direkt vom Westen in den Osten durchquert. Da muss man schon ein bisschen aufpassen. Ich landete  jedenfalls wieder in Brodick im Osten, statt in Lochranza im Norden. So beschloss ich, den Coastal Way in Richtung Lamlash zu laufen. Das ist auch so ein Stück, das nicht über die Straße führt. Doch als ich den Weg dann endlich gefunden hatte, pfiff mich die Küstenwache zurück. Steigende Flut. Das ist noch so eine Besonderheit an diesem Rundwanderweg. Die Abschnitte, die es direkt an der Küste zu bewältigen gibt, sind oft gezeitenabhängig. Manchmal gibt es Escape Routes, Fluchtwege, über die man sich bei Fehlplanung in Sicherheit bringen kann. Manchmal Höhlen, in denen man das Sinken der Flut abwarten kann, meistens aber dürfte man in ziemliche Not geraten, wenn man die tide nicht beachtet.

Am Mittwoch zog ich um in ein Hostel in Lochranza im Norden der Insel.

So schön der Zeltplatz im Glen Rosa ist, die Midgies sind eine Zumutung. Sie scheinen immer da zu sein und kriechen sogar in die Augen. Unmöglich, in Ruhe zu essen. Es gibt dort auch keine Duschen. Immerhin, zwei Toiletten und zwei Kaltwasserhähne.

Nach dem Einchecken im Hostel wanderte ich noch ein Mal von dieser Seite aus zu den Fallen Rocks. Als ich den Golfplatz überquere, denke ich: Was für eine Art der Rasenpflege. Da tummeln sich mindestens 40 Hirsche samt Kühen und Kitzen. Irgendwie bin ich froh, dass ich ein bissl vergessen hatte, wie groß die sind. Ich hätte mich sonst die letzten Nächte im Zelt sicher etwas gefürchtet. Als ich dann einen kleinen Berg erklimme, „fallen“ aus dem Unterholz neben mir ständig RIESIGE Hirsche auf den Weg. Die wollen wohl auch zum Golfplatz. Ich bin verunsichert. Sind Hirsche eigentlich gefährlich?  Als ich in der einsetzenden Dämmerung zurückkehre, sehe ich drei Golfer, die ihre liebe Müh und Not haben, freie „Schussbahnen“ auf dem bewilderten Platz zu finden. Da hier auf der Insel auch allerlei Federvieh, vom Fasan über Reiher bis zu Viechern, die ich wirklich nicht kenne, vor Menschen zu posieren belieben, komme ich zu dem Schluss, dass es hier nicht nur wenige Menschen gibt (sieht man mal von den Golfern ab), sondern offensichtlich auch niemand jagt.

Dann stehe ich im sehr gut ausgestatteten Hostel vor dem für die Jagdgruppe reservierten Kühlschrank. Hm, liebe Jagdfreunde: Eine Herausforderung stellt Arran für Euch nun nicht gerade dar...

Am Donnerstag fahre ich mit dem Bus in den Süden der Insel, nach Kildonan. Von dort geht es, direkt am Strand entlang, nach Whiting Bay. Kildonan besitzt einen herrlichen Sandstrand und ich sehe live, was ich niemals glauben wollte: Badende und spielende Kinder in Neoprenanzügen! Irre! Sie haben Schwimmringe, Schlauchboote, bauen Sandburgen und rennen kreischend ins Wasser. Ganz wie an der Adria, der Riviera oder meinetwegen auch der Ostsee, aber eben in Neoprenanzügen. Zwar scheint heute wieder die Sonne, und nach vier Stunden Kletterei bin ich eigentlich sicher, einen Sonnenbrand zu haben, aber warm!, nee warm ist das Wasser deshalb trotzdem nicht.

Kletterei  deswegen, weil der „Weg“, übrigens nur bei Ebbe zu begehen, über riesige Boulderblöcke führt. So wird aus der Wanderei eine Kletterei und ich brauche 4 Stunden für 7,5 km! Gut, ich lasse mir viel Zeit, glotze zur Heiligen Insel rüber und pirsche mich an Kormorane und andere Fliegtiere heran. Die versprochenen sharks und dolphins kriege ich aber auch hier nicht zu sehen und von jagenden Robben lasse ich mich nicht mehr hinters Licht führen. Merke: Jagende Robben nicht mit durchs Wasser hopsenden Delphinen verwechseln!!!

Hinter  Largybag Point klettere ich hoch zu den Resten eines Steinkreises und genieße die Aussicht. Kurz vor meinem Ziel, Whiting Bay, stellt sich mir eine Rinderherde in den Weg. Ich bin ziemlich beeindruckt und versuche die Viecher irgendwie zu umgehen. Geht nicht und das macht mich so wütend, dass ich todesmutig mitten durch stapfe. Mann Mann Mann.

Lamlash, die eigentliche Hauptstadt der Insel, macht dagegen gar keinen Eindruck auf mich, oder einen verschlafenen. Ich denke mal, Brodick ist größer und lebendiger, zumindest der Co-op ist da größer. Einen Golfplatz gibt es natürlich auch in Lamlash.

 

3. Festivalfieber

Am Ende meiner ersten Urlaubswoche musste ich zurück nach Edinburgh.

Dort fand ich  mit Hilfe einer älteren Lady, die ich im Bus fragte, wo ich aussteigen muss und die dann mitfuhr bis zur Haltestelle am Gartencenter, nicht ohne mir vorher ihr Haus gezeigt zu haben, das ungefähr 6 Haltestellen eher kam, und mich zudem auch noch fast bis zum Zeltplatz begleitete, wobei sie mir immer wieder einschärfte, ja vorsichtig zu sein und nachts nicht allein durch Edinburgh zu laufen, am frühen Nachmittag nach Mortonhall, baute mein Zelt auf und machte mich wieder zurück in die Stadt.

Fringe Festival!!!

Das bedeutet  Tausende von streetartacts mit Hunderten beteiligten Straßenkünstlern aus der ganzen Welt, vornehmlich in der Old Town (High Street, die zu dem Zweck sogar für den Autoverkehr gesperrt wird) und vor der National Gallery im Princes Street Gardens. Theater,  Kabarett, Musik, Varieté.. alles, was man sich nur vorstellen kann.

Leider war das Wetter  irgendwie schlechter als noch  einer Woche vorher. Zwar regnete es am Freitag Abend (noch) nicht, aber es war empfindlich kühl. Bis zur Ankunft meiner Freunde schlenderte ich zwischen High Street und National Gallery hin und her und erfreute mich an den verschiedenen Performances.

Am Samstag zeigte ich meinen Kletterkumpels die Stadt. Schließlich war das mein 5. Besuch in Schottlands Hauptstadt, da kann man sich schon mal als Guide betätigen. Als wir auf dem Calton Hill waren, kam sogar die Sonne heraus und wir hatten einen fantastischen Blick über die Stadt, zu Arthur’s Seat und über den Five.

Dann, beim Abendbrot auf dem Zeltplat,  fing es leider an zu regnen. Zwar war es dann während des Military Tattoo wieder trocken, aber empfindlich kalt.

Das Military Tattoo ist das größte Musikfestival Schottlands und findet jedes Jahr im August auf dem Platz vor dem Castle statt. Es ist, wie das Fringe Festival, Teil des Edinburgh Festival. Hauptsächlich geht es bei dem 90minütigen Spektakel natürlich um Militärmusik, angeführt von den  Massed Pipe and Drums.

 Für die Zuschauer sind eigens Tribünen aufgebaut und wir hatten einen guten Platz direkt gegenüber dem Eingang des Castles.

Leider wurde das Programm in den letzten Jahren stark verändert, so  gibt es jetzt nicht mehr so viel Dudelsackkapellen,  dafür viel andere Militärmusik. Sogar ein Bayrischer Haufen war dabei, der aber so wunderbar alle vermeintlichen Deutschen Tugenden auf die Schippe und sich selbst auch nicht zu ernst nahm, dass er mächtig Eindruck hinterließ und für viel Spaß sorgte. Hätte ich jetzt ein kleines Deutsche Fähnchen, hätte ich sogar stolz damit gewinkt. Wäre allerdings schwierig geworden, weil ich hatte alles an, was übereinander passt und mich zusätzlich in mein knallgelbes Regencape (Souvenir der Tour de France) gehüllt. Zwar war es am späten Abend nicht mehr nass, aber windig. Und so ein Regencape hält Wind hervorragend ab.

In der Nacht stürmte und regnete es dann so stark, dass ich – völlig unbegründet-  ein bisschen Angst um mein klitzekleines Zelt hatte.

Am Sonntag flüchteten wir dann auch mal vor dem Wetter in den Pub. Im Maggie Dickson am Grassmarket trinkt man aber nicht nur Guiness und ißt leckere Burger, man lernt auch was. Nämlich über die Geschichte der  Half Hangit Maggie, und das durchaus auf eine Weise, die auch Einblicke in die damaligen Lebensumstände und Gepflogenheiten bietet. Wer lesen will: http://www.the-grassmarket.com/history/maggie-dickson.html

In diesem Urlaub bin ich dann auch endlich nach  Cramond Island, einer Insel vor Edinburgh, die nur bei Ebbe zu erreichen ist, gekommen. Allerdings war das Wetter so schlecht, dass uns der Charme der Insel als auch des gleichnamigen Fischerdorfes wohl verborgen blieb. Bei solchem Wetter, das steht ja schon in jedem Schottlandreiseführer, soll man sich in einem Pub aufwärmen. Und da ich endlich mal kein unter 18jähriges Kind mit hatte, suchten uns einen in der Rose Street.

Auch am Montag war das  schlechte Wetter  ein guter Grund, immer mal wieder da und dort einzukehren. Wir machten aber auch Kultur. National Museum, St. Gilles Kathedrale und dann die  Tour in Edinburghs Untergrund. Mary Kings Close. Seltsamerweise gar nicht so bekannt bei Touristen, aber ein unbedingtes Muss! Für nicht so Englisch Begabte gibt es einen Audioguide, da kriegt man zumindest die Historie mit.

 

4. Calum's Road

Calum Mc Leod ist ein ungewöhnlicher Mensch. Und eine Inspiration. Ein Beispiel dafür, wie man, statt immer darauf zu warten, dass andere etwas tun, vornehmlich das ominöse Wesen Staat, die Dinge selbst in die Hand nimmt. Und sei es der Bau einer Straße.

 

Bis zu seinem Tod Ende des letzten Jahrhunderts lebte er auf Rassay, einer Insel der Inneren Hebriden. Er war Farmer, Postbote, Leuchtturmwärter. Und nebenbei beteiligte er sich erfolgreich und preisgekrönt an diversen Gälischen Schreibwettbewerben. 
Als fast alle Bewohner seiner Heimat vertrieben waren bzw. das Eiland wegen fehlender Infrastruktur freiwillig verlassen hatten, wehrte sich dieser einzigartige Mensch gegen das Schicksal. Zwanzig Jahre lang arbeite Calum Mc Leod an seiner Straße, die ihm ein Maß an Kraft und Willen abforderte, wie es wohl nur verzweifelte oder sture Menschen aufzubringen vermögen. Seine Arbeitsgeräte waren ein Spaten, eine Hacke, eine Schubkarre und ein Stück Seil. Das Baumaterial die  Steine, die er auf „seiner“ Insel fand..
Seine Arbeit hat sich gelohnt, sein Traum, die Insel wieder für Bewohner zugänglich zu machen, ging in Erfüllung. Heute ist die Straße mit einer Teerdecke überzogen. Damit hat sie zwar ihren Status als Weltkulturerbe verloren, aber es lag wohl nie im Focus des Schotten, ein Museum zu bauen. So entspricht sie, komfortabler für Fahrzeuge, heute mehr denn je seinem Anliegen.
Als ich Roger Hutchinsons wunderbare 2006 veröffentlichte Geschichte über ihn  las, war klar, da muss ich hin!

Von Edinburgh aus gelangte ich mit dem Bus zunächst nach Skye, wo ich in Portree lange den schlecht, nämlich gar nicht ausgeschilderten Zeltplatz weit außerhalb des Ortes suchte. Bei Regen baute mein Zelt  auf, stopfe den nassen Rucksack in die eine, die nassen Klamotten in die andere Mülltüte und mich selbst in den Schlafsack. Draußen wütete  ein ordentlicher Sturm, was mich ein wenig mit Sorge erfüllet, hatte ich meine Behausung doch nur notdürftig verankert und auch ziemlich schief aufgebaut.

Auch als ich morgens abbaute, regnete es, doch bei der Überfahrt nach Raasay hörte es auf.
Auf der Insel  gibt es heutzutage sogar ein Hotel und ein Outdoorcenter. Das Hostel ist leider schon länger geschlossen und Inverrary, der Hauptort der Insel, gleich neben dem Hotel, besteht aus einer Straße. Einen Laden gibt es da nicht. All diese Bebauungen liegen übrigens im Süden der Insel, also da, wo auch die Fähre anlegt.

Da ich nach der Nacht auf Skye keine Lust hatte, ganz allein auf einem Zeltplatz zu liegen, der als einzigen Luxus Kaltwasser und, immerhin, ein Klo zu bieten hat und in eine nasses Zelt zu kriechen, gönnte ich mir für die zwei Nächte, die ich auf Raasay bleiben wollte, den Luxus eines Hotelzimmers.
Während das Zelt also  im Bad meines Hotelzimmers trocknete, bewanderte ich, bei bewölktem Himmel, die Südhälfte der Insel. Die ist recht hügelig, manchmal sogar steil. Es gibt eine Menge Ruinen zu sehen: Crofts und alte Minenanlagen. Sogar eine kleine Eisenbahn gab’s hier mal. Verrostete Schienen und ein vor sich hinsiechendes Viadukt künden von vergangenen, glorreicheren Zeiten.
Am Mittwoch ließ ich mich, nach einem ausgedehnten Schottischen Frühstück + Toast mit Marmelade + Cornflakes (es ist unglaublich, welche Mengen der Brite zum Frühstück zu verzehren in der Lage ist) und bei sonnigen Wetter, von Ben in den Süden der Insel fahren, nach Brochel Castle. Die Fahrt über die einzige Straße der Insel ist atemberaubend. Eigentlich sollte man hier Fahrrad fahren. Oder wandern. Weil die Schönheit der Landschaft einem nach jeder Kurve vor Verzückung erstarren lässt. Staunend glotzend möchte man den Moment anhalten.

“No words can be put on beauty, no picture, words or poem made for it”. schrieb der auf Raasay geborene Sorley MacLean einst sehr treffend.

Calum baute seine Straße zwischen Brochel Castle und Arnish. 2 Meilen lang ist sie und wie auf dem Weg hierher, traf ich auc,  als ich auf ihr nach Arnish wanderte, keine Menschenseele.

In Arnisch gibt es zwei Gehöfte. Ein Schild warnt aber alle, sich diesen zu nähern. Das ist blöd, weil aus dem Buch weiß ich, dass die Straße nicht da endet, wo ein Schild das behauptet. Verständlich ist es freilich. Es ist sicher nervend, wenn ständig Herden von Touristen Dein Anwesen beglotzen. Nur... ich war  ja die Einzige. Ob manchmal zwei Menschen am Tag hier raus kommen? Oder sogar mehr? Später, auf dem Rückweg, schlich ich mich dann doch ins verbotene Areal und wagte einen Blick auf den verfallenden Wohnsitz der Familie Mc Leod.

Vorher aber bin ich über Torran entlang der Klippen nach Creag an Coin gewandert, wo man bei Ebbe rüber nach Fladda Island laufen könnte, und über Loch Mallaichte zurück.

Und erst als ich, zurück am Brochel Castle, auf Ben wartete, traf ich Menschen:  Vier Tagestouristen in zwei Autos. Das ist sozusagen die Rush Hour.
Nach einem kleinen Snack im Hotel machte ich mich noch mal auf die Socken, um den Südwesten, speziell das Home Loch und den Temptation Hill zu erkunden. Dort waren fast alle Wege wegen Holzfällerarbeiten gesperrt. Aber man muss ja nicht immer auf Wegen laufen, oder?

 

5. Die Insel der großen Frauen

Ich sitze auf der Bank vor meiner Jurte und schaue der Sonne zu, wie sie hinter der Nachbarinsel Rum untergeht. Dieses Licht ist unfassbar schön. Wäre ich Maler, würde ich mich auf Eigg niederlassen und immer wieder versuchen, es zu malen. Wahrscheinlich würde ich darüber wahnsinnig werden, weil es mir nie gelänge. Es gibt Schönheiten auf dieser Welt, die entziehen sich jedem Versuch, sie einzufangen, zu beschreiben oder darstellen.

Eigg gehört zu den Small Isles un relativ dicht besiedelt (80 Einwohner).  Gestern, beim Frühstück im Raasay Hotel, hatte mich ein älterer Englischer Herr noch vor den Eiggern gewarnt. Sie seien – exzentrisch. Das glaub ich gern. Schließlich haben ihre Bewohner sich die Insel vor knapp 15 Jahren gekauft. Heute sind sie vom Energienetz des Landes abgeschnitten und erzeugen ihren Strom selber. Jedem Haushalt stehen 5kw zur Verfügung. Urlauber sind angehalten, ihren Müll wieder mit nach Hause zu nehmen.

Ich glaube, sie gehören auch nicht zum öffentlichen Straßenverkehrsnetz Schottlands. Die Autos vorm tearoom sehen jedenfalls so aus, als würden sie, würden sie die Insel verlassen, von der Verkehrssicherheit sofort still gelegt werden.

Der tearoom ist direkt am Pier, wo es auch einen craftshop und  einen Lebensmittelladen gibt. Trotzdem nutzen die Ortsansässigen Ausflüge jedweder Art zum Festland ausgiebig, um sich mit Konsumgütern zu versorgen. So stand mein Rucksack auf der Fähre zwischen Bergen von Brot, Toilettenpapier  und einer Schleifmaschine.

Von Maillaig fährt drei Mal wöchentlich eine Fähre hierher.

Es gibt einen Minibus, der abhängig von der Fähre einmal quer über die Insel fährt.

Weil aber gerade ein wichtiges Fußballspiel im tearoom geguckt werden muss, richten sich die Abfahrtszeiten heute danach. Dann bekommt der Flachbildschirm den Platz auf der Beifahrerseite und ich sitze wieder zwischen Brot und anderen Lebensmitteln. Die Verkäuferin aus dem Craftshop fährt auch mit, aber ich merke schnell, dass die Einheimischen hier nicht so gern so viel reden wie ihre Landsleute.

Der Campingplatz, an dem mich der Minibus absetzt, entpuppt sich als zu einem Croft gehörige Wiese in Hanglage, ungemäht, mit Schweinen, Hühnern, Enten, einer Jurte und drei altertümlichen Wohnwagen. Weil ich keine Ahnung habe, wo ich hier ein Zelt aufstellen soll, beziehe ich kurzerhand die Jurte.

Am Sonntag besteige ich bei bestem Wetter ich den An Sgurr, diesen das Bild der Insel prägenden Pechsteinriesen. Der liegt im Süden der Insel und es ist ein bisschen schwierig, den extrem morastischen Wanderweg zum Einstieg zu finden. Als ich dann endlich, von Glückshormonen durchflutet, auf dem Gipfel stehe, genieße ich wunderbare Aussichten hinüber nach Muck und Rum, in die Highlands und auf den Südteil der Insel. Lochs lächeln mir vom Plateau her zu. Die Welt ist so wunderbar schön. Und ich war wieder ganz allein unterwegs.

Erst beim Abstieg treffe ich vereinzelte Wanderer. Und ein junges Paar. Er trägt den Rucksack und sie, fast stadtfein gekleidet, plappert fröhlich und ohne Pause auf ihn ein. Fast möchte ich umdrehen und schauen, ob es ihr weiter oben, wo es steinig wird und man ein bisschen klettern muss, nicht vielleicht doch die Sprache verschlägt.

Doch es zieht mich noch weiter in den Süden, nach Upper Grulin, ein während der clearances verlassenes Dorf. Ein unheimlicher Ort. Ich fühle mich in den Ruinen nicht wohl, so als würde ich ungebeten jemandes Gute Stube betreten, und mache mich schnell wieder auf den Heimweg in den Norden der Insel.

Am Montag machte ich mich, nachdem ich den singing sands vergeblich versucht hatte, Töne zu entlocken, auf eine sehr lange  und mühselige Suche auf Schafpfaden oberhalb der Klippen zum Seal Island. Natürlich hockten dort, auf der Insel, nur Vögel rum.

Da das Wasser aber sank, beschloss  ich, den Rückweg direkt über die Boulder an der Küste anzutreten. Als ich eine klettertechnisch geeignete und einigermaßen trockene Stelle zum herunterkommen gefunden hatte, dachte ich noch, wie blöd ich bin. Wenn ich mir hier was tue, kann ich nicht mal Hilfe holen. Netz gibt es auf der Insel nämlich nur in unmittelbarer Nähe des tearooms und andere Wanderer hatte ich ganz im Norden auch nicht getroffen. Da machte es auch schon plopp. Und ich war unten. Ich landete zwar  auf den Füßen, aber ein Teil meiner das Knie umhüllenden Haut hing in der Hose. Trotzdem bin ich über die Steine schneller zurück gehumpeltklettert als über die glitschig schlammigen Schaftrampelpfade hergelaufen.

Am Strand singt der Sand dann endlich! Yeah! Das macht Spaß. Immer und immer wieder entlocke ich ihm, meine Füße leicht schleifend, dieses einzigartige Geräusch. Und dann, übermütig, wie ich bin, entledige ich mich der Schuhe und Socken und wage mich bis zu den Waden in den Atlantik.

 

 

6. No boat

Am folgenden Tag, dem Dienstag, wollte ich dann eigentlich zur kleinsten der kleinen Inseln, nach Muck übersetzen. Doch in der Nacht zog schwerer Sturm auf und ließ die Jurte bedenklich wackeln und seltsame Geräusche von sich geben. Gerade als ich am Morgen auf meinem gepackten Rucksack saß und durch die Glastür der Jurte zusah, wie der Sturm den Regen über die Insel peitschte, kam der Crofter. Und teilte mir mit:

No boat.

No boat?

No boat.

Na toll, jetzt war genau das passiert, womit man auf den Hebriden rechnen muss. Ich saß fest. Wenigstens konnte ich in der Jurte bleiben.

Der Crofter nahm mich später im Wagen mit zum Pier, wo sich relativ viele Menschen im tearoom versammelt hatten. Fischer, die nicht auslaufen konnten und -  die 12 Urlauber. Nachdem ich geduscht hatte (am Pier gibt es Duschen für Camper), setzte ich mich zu ihnen. Wenn man tagelang eigentlich allein ist, weiß man menschliche Gesellschaft wieder zu schätzen.

Ein Lettisches Pärchen, das hier ebenfalls zeltet, hofft auf zwei Amerikanischer, die irgendwie dringend zum Flieger müssen und deshalb ein Motorboot geordert hat.

Ein Australisches Paar erzählt mir derweil, dass ihre Urahnen von Eigg stammen und während der clearances nach Australien ausgesiedelt worden. Ihr Großvater ist dann vor oder während des 2. Weltkrieges wieder hierher gekommen, und hat Bäume gepflanzt (heute ist ein ganzer Park daraus geworden mit Bäumen und Pflanzen aus den Ländern und Kontinenten, in die die Crofter nach ihrer Vertreibung ausgewandert sind).

Zwei Mädchen bewirtschaften die Theke und am schwarzen Brett kann ich lesen, dass der jährliche Zahnarztbesuch vor der Tür steht. Ja, der tut Not. Mittdreißiger sehen ohne Zähne viel älter aus. Ein KFZ-Mechaniker wär vielleicht auch ganz gut. Denn mindestens jedes 2. Auto, schätze ich, würde auf dem Festland aus dem Verkehr gezogen. Ich denke mal, es gab hier so eine Art Abstimmung, auf der mehrheitlich beschlossen wurde, dass die Straße keine öffentliche ist und jedes Auto solange fahren darf, wie man es wieder hingeflickt bekommt. Das hilft ja auch bei der Müllreduzierung.

Leider schlossen  tearoom und Laden wegen dem Ausfall der Fähre  schon 15:00 Uhr.

Ich, optimistisch wie ich bin, wanderte über Kildonan zurück zur Jurte, wobei sich der Sturm  alle Mühe gab, mich daran zu hindern.

Am Abend saß ich dann allein in meiner Unterkunft und lief Gefahr, den Moment und die Entwicklung des Urlaubs richtig Scheiße zu finden. Um der Versuchung des Selbstmitleids zu widerstehen, beschäftige ich mich mit dem Versuch, Feuer zu machen. Das dauerte immerhin so eine Stunde. Und dann kochte ich mir ein richtig leckeres Mal. Durch die Scheibe der Jurtentür sah ich zu, wie der Sturm den Regen über die Insel trieb.

Am Mittwoch hatte ich dann die Nase voll vom Humusklo, den schnarchenden Schweinen und den nicht vorhandenen bzw. 4,5 Meilen entfernten Duschen und  zog  um in ein B&B.

Ah! Was für ein Luxus! Toiletten, Duschen, freier Internetzugang!!! Um in mein Zimmer zu gelangen, musste ich allerdings durch die gute Stube der Crofter. Die Häuser sind hier nun mal nicht größer. Und mich störte es auch nicht.

Nachdem der Versuch, noch mal in Richtung Norden zu wandern an den durch den Regen in Schlammtrails verwandelte Trampelpfade,  besuchte ich ein altes unbewohntes Croft, das als Museum dient. Sue’s Mann erzählte mir später, dass das Haus, als er vor 18 Jahren auf die Insel kam, noch von einer alten Frau bewohnt wurde. Es gibt nur zwei Lampen im Haus, kein fließend Wasser und natürlich keine Toilette. Ja, bestätigte  mir Mack, als er auf die Insel kam, hat er Strom ins Haus gelegt. Mack ist der Elektriker der Insel.

Die Postkarten, die ich den Kindern geschrieben habe,  können die Insel erst mit mir verlassen. Die drei Postkästen des Eilands werden jeweils eine Stunde vor Abfahrt der Fähre geleert. Dazu kommt der Postbote sogar mit einem höchst offiziellen roten Auto. Im Übrigen ist der Mann aber auch für das ordnungsgemäße An- und Ablegen der Fähre, sowie deren Ent- und Beladung verantwortlich. Als Verkäufer hab ich ihn auch im Laden gesehen und was er sonst noch so macht, weiß ich nicht.

Ich bin wieder vor in den tearoom gelaufen. Die Letten, die gestern mit den Amerikanern mit wollten, waren  noch da. Auch das Französische Paar traf  ich, die Australier und, ja, auch die Amerikaner. Alle saßen da und hofften, dass die shearwater, ein Motorboot, käme.

Übrigens gibt es auch eine Schule auf Eigg. Die liegt genau in der Mitte der Insel, gleich neben dem Tauschladen, der Old Irish Shop heißt. In den Tauschladen bringen die Insulaner alles, was sie nicht mehr brauchen. Und jeder kann sich nehmen, was er braucht. Ich hab auch was dagelassen: eine fast volle Campinggaskartusche.

Am Donnerstag morgen dann strahlte die Sonne, als wäre nix gewesen und nachdem ich noch mal an der Laig Bay war, bestieg ich die Fähre. Die fuhr erst mal nach Muck, so konnte ich die letzte Insel meines Inselhoppings, die dem Sturm zum Opfer gefallen ist, wenigstens sehen.

 

7. Auf den zweiten Blick

Glasgow besteht aus schäbigen Neubauten und maroden alten Häusern. Man findet hier nichts schön, bis man sich auf den Charme des Verfalls einlässt.

Das ist mir schon vor zwei Jahren aufgefallen, als ich zum 1. Mal da war. Damals hatte ich keine Zeit, mir die Stadt näher anzusehen, weswegen sie in diesem Jahr fest auf dem Plan stand. Denn eigentlich mag ich diese Art (Arbeiter)Städte, deren Charakter sich einem erst auf den 2. Blick erschließt. Und ich liebe es, an Docks entlang zu promenieren, egal, ob sie vor sich hin verfallen oder zu bester Wohnlage umsaniert wurden.

Ich bin am Clyde entlang spaziert, bei Nieselregen, und habe nix von Docks gesehen.

Vielleicht war ich an der falschen Stelle. Vielleicht habe ich falsche Vorstellungen. Immerhin passte das Wetter irgendwie zur Umgebnung. Seite den 1990er Jahren sollen ja Unsummen in die Sanierung der Stadt gesteckt wordern sein. Am Clyde sieht man davon nicht viel. Was aber, hat man erst mal diesen speziellen Blick entwickelt, nicht weiter stört.  Alte rostige Brücken sind irgendwie auch sehr hübsch.

Und im Jugendstil erbaute Häuser entwickeln, wenn sie so vor sich hin marodieren, auch einen ganz eigenen Charme.  Allerdings, das gebe ich gern zu, bin ich an manchen erstmal vorbeigerannt. Charles Rennie Mackintosh, Glasgows großer Architekt und Mitbegründer der Nouveau- Bewegung, hat hier gewirkt und ihm ist auch eine Ausstellung im Lighthouse gewidmet. Vom Turm desselben hat man einen genialen Rundblick über diese so eigentümliche Stadt. Und hier oben kann man sich auch fast ein bisschen in sie verlieben. Die Ausstellung selber ist eher mäßig, oder nur für wahre Kenner interessant. Ich bin ja nicht so der Architekturfreak. Trotzdem sollte man, einmal in Glasgow, unbedingt einen Besuch einplanen, allein wegen der Aussicht vom Turm. Vielleicht hat man ja, wie ich, Glück, und oben auf der Plattform spielt grad jemand Dudelsack. Da stört auch kein Regen, so schön ist das Gesamtpaket.

Zwar hörte es irgendwann auf zu nieseln, trotzdem habe ich beim Gang durch die Innenstadt immer wieder Abstecher in Museen gemacht, in die man fast überall ohne Eintritt kommt.

Und am Abend war ich wieder am Clyde. Das Hostel, in dem ich mich in einem 14- Frauen- Bett- Raum einquartiert hatte, liegt direkt am Fluss (übrigens in Sichtweite des Central!!!). In meinem Lonely Planet wird es als ungemütlich beschrieben und laut. Dem kann ich nicht zustimmen. Klar, es ist mit seinen 9 Stockwerken eine Bettenburg. Aber laut ist es nicht, und auch die Küche, die als zu klein beschrieben wird, ist eigentlich ausreichend. Das Frühstück ist im Preis mit einbegriffen und wem die 7 Sorten Flakes, das Toast, Marmelade, Butter und Honig nicht reichen, der kann an der Theke gegen einen Aufpreis noch warme Sachen ordern. Kaffee, Tee und Säfte stehen auch unbegrenzt zur Verfügung.

In der 2. Nacht war es dann allerdings doch laut. Durch das geöffnete Fenster drangen das Krakelen und die Streitereien der Penner, die sich am Flussufer gesammelt hatten.

Ich hatte am Abend noch lesend auf einer Bank gesessen, als sich die ersten ihre Plätze unter den Brücken suchten. Belästigt wurde ich aber von keinen von ihnen, sondern von einem älteren Herrn, der mir eine Bibel andrehen wollte. Ich flüchtet  auf die andere Uferseite , wo ich dann doch noch erleben konnte, wie die Sonne durch die Wolken lugte und mir einen einigermaßen angenehmen Sonnenuntergang bescherte.

Glasgow ist eine merkwürdige Stadt. Ich fühle, dass da noch etwas ist, das sich lohnt, entdeckt zu werden. Gleichzeitig weiß ich, dass die Stadt mich bei einem weiteren Besuch langweilen würde, sollte ich ihr nicht auf die Schliche kommen.

So verließ ich sie am Samstag eher irritiert. Und auch etwas zeitiger als geplant.

In Edinburgh, Schottlands wunderschönen Hauptstadt, besteht zu keiner Zeit die Gefahr der Langeweile. Meine letzten Urlaubsstunden verbrchte ich im National Museum. Auch dort gibt es, im Anbau, eine Aussichtsplattform in der 7. Etage.

Auf Wiedersehen. Bis zum Februar. Spätestens.

 

Die Fotos
 Isle of Arran
Edinburgh
Isle of Raasay
 
 Mallaig, Isle of Eigg und Isle of Muck
 
 Glasgow

 

 

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