IBU Cup Biathlon 5

Altenberg 14.-15.Januar 2011


Draußen heult der Wind. Es klingt ungemütlich und kalt. Ich sitze in meinem Zimmer in der Pension und genieße die Wärme. Heute beim Sprint der Herren bin ich ordentlich durchgeweicht worden und saß noch lange bibbernd im Zelt bei Kaffee und Kesselgulasch. Vielleicht habe ich mich auch zu sehr aufs Frieren konzentriert.Denn als ich mich  mit eine Familie unterhielt, die ab und zu nach Oslo zum Biathlon fährt, wurde mir etwas wärmer. 
Langweilig war mir aber schon vorher nicht. In so einem Zelt gibt es immer viel zu sehen und als dann auch noch Herr Heymann reinkam, durfte ich feststellen, das mein Heymi-Chick-Gen noch voll aktiv ist. Das führt dann zu so einer Art Augenstarre.
Als Daniel kam, hatte ich grad Kesselgulasch auf dem Schoß, und da er wirklich nur kurz reingeschaut hat, habe ich ihn verpasst. Und durchs Zelt brüllen wollte ich nicht. Denn obwohl nur ca 27 Zuschauer da waren, war es voll. Kampfrichter, Offizielle, Athleten, und eben die 27 Zuschauer. 
Dass so wenig ins Hoffmannsloch gefunden haben, liegt wohl nicht nur am Wetter. Ungünstigerweise ist heute Freitag, also ein Arbeitstag. Und wer macht schon Urlaub wegen eines IBU Cups? 
Ich natürlich. 
Aber das Inchkind muss seine Urlaubstage für die nächste große Reise sparen. Deshalb bin ich allein hier. Ich konnte mich aber gestern im Zug schon einstimmen, da saß die Romy Beer nebenan.
Überhaupt ist dieses Jahr sehr schön, so viele "alte Bekannte" zu sehen. Luggi Gredler ist als Trainer(?) bei den Mädchen aus Österreich und Raph Poiree bei den Norwegerinnen dabei. Für mich verbindet sich der Österreichische Biathlon auf ewig mit dem Namen Luggi Gredler. Er und später auch Wolfgang Rottmann waren, als noch kaum jemand vom Biathlon im Nachbarland sprach, DIE Athleten. Es gab da natürlich auch andere. Aber Luggi und Wolfi waren irgendwie die am meisten präsenten. So wie Simon Hallenbarter für die Eidgenossen, standen diese beiden für die Skijäger aus der Alpenrepublik. Mag sein, dass das ein subjektiver Eindruck ist, weil wir zu denen einfach den besten Kontakt und mit ihnen den meisten Spaß hatten. Egal, ob bei diversen Weltcups oder beim Bike-Biathlon in Altenberg. 
Und Raph steht natürlich für den Französischen Biathlon. Es ist merkwürdig, ihn hier so unbehelligt und nahezu unerkannt durchs Stadion stapfen zu sehen. Es gab Zeiten, da hätten ihn die Fans in Oberhof keine ruhige Minute gelassen. Wie es wohl sein mag, nach dieser Popularität, jedenfalls in Deutschland, plötzlich einer von vielen zu sein? Die Fans vergessen offensichtlich schnell. Das ist sicher auch etwas, womit ein so bekannter Sportler nach Beendigung seiner Karriere fertig werden muss. Wär interessant zu erfahren, wie das der Einzelne so wegsteckt. Hm, ich hätte da mal danach fragen sollen.

Und Frode Andresen ist bei den Herren gestartet. Auch Uruig Slettemark. Kann sich an den noch jemand erinnern?
Michi Rösch startet dafür nicht. Hat wohl vergessen, bei einem anderen Wettkampf an den Start zu gehen, erwartet deshalb jetzt ein Disziplinarverfahren und ist für Altenberg gesperrt. So jedenfalls erzählt man es sich. Seine Version ist freilich, dass er nicht wusste, dass er bei besagtem Rennen zu starten hat.
Hm.
Wahrscheinlich fehlen auch deswegen zwei bis drei Zuschauer, weil der kleene Ebs nicht startet.
Und dann natürlich das Wetter.
Als ich es heute Nacht plätschern hörte, dachte ich: Lieber Gott, lass das kein Tauwasser sein!" An Regen habe ich gar nicht gedacht.
Bei eben diesem, und zwar einem richtigen, hab ich mich heute morgen also auf den Weg zur Biathlon-Arena gemacht. Allerdings hielt schon nach kurzer Zeit so ein Kleinbus, lud mich ein und spuckte mich direkt im Stadion wieder aus. Ehrlich, ich hätte gern Eintritt bezahlt. Dass ich deswegen aber einen halben Kilometer vor dem Stadion schon aus dem Bus und damit in den Regen hüpfe, nee, liebe Veranstalter. Ich entschuldige mich höflichst dafür und bitte mich bei der Zählung zu beachten: Wir waren 28 Zuschauer!

133 Starter bei den Herren. 
Wißt Ihr, wie lange man da im Regen stehen muss, auch wenn's ein Sprint ist, bis das Rennen vorbei ist?Zwar war es an der Strecke im Wald vemutlich nicht ganz so windig wie am Schießstand, aber es hat gereicht.
So etwa ab Starter Nr 98 hat auch meine Kamera genug und geht in den Nässestreik. Ungefähr ab Starter Nr. 112 hab ich sie wieder fit gekriegt. Dann dauert es allerdings nur 50 Bilder oder so, da ist die Speicherkarte voll. Und Karte wechseln bei strömenden Regen und eiskalten Fingern, nee, was zuviel ist ist zuviel. Zwar habe ich mein erklärtes Ziel, jeden Starter zu fotografieren, nun nicht erreicht, aber mit 118 von 133 liege ich, glaube ich, ganz gut.
Ich flüchte ins Zelt, natürlich erst kurz bevor das Rennen zu Ende ist.

Und als ich nach knapp zwei Stunden wieder rauskomme, hat es aufgehört zu regnen! Und beim Sprint der Damen kommt sogar die Sonne raus, ab und zu jedenfalls. Die Speicherkarte hab ich auch gewechselt und bis auf eine fotografiere ich alle 84 Starterinnen. Ich liebe nun mal die Aussenseiter. Und wo trifft man mehr von denen als im IBU-Cup?

Samstag

Ich hab verschlafen und ein bissl Stress mit dem Frühstück und so. Ich meine, ich will ja nicht den Verfolger der Herren verpassen.
Bei windigem, aber trockenen Wetter mach ich mich schließlich auf den Weg.
Natürlich bin ich viel zu zeitig da. Immerhin bin ich nicht die Erste, soviel habe ich gelernt.
Ich schaue Daniel und den übrigen Herren beim Anschießen zu und trotte dann wieder zu "meinem" Platz an der Strecke.
Mit nur etwas Verspätung zum Start der Herren setzt der Regen ein. Bei einem Verfolger (wie auch beim Massenstart) läßt es sich viel schwieriger fotografieren. Zwar sind nur 60 (respektive 30) Athleten auf der Strecke, aber die kommen in wildem Durcheinander und viel zu schnell hintereinander. Nuja, dafür sind die Bilder dann aktiongeladener. 
Daniel, gestern 14.ter, liegt nach dem 2. Schießen auf Platz 3. Leider schießt er stehend je eine Fahrkarte und fällt wieder auf Platz 8 zurück. Nach dem Rennen erzählt er mir, dass seine Laufform noch nicht stimmt. Hm ja, gestern beim Sprint hat er auf der letzten Runde auch noch verloren, soweit ich das aus meiner Streckenposition beurteilen kann. Da muss ich mir zu Hause noch mal die Ergebnisse bei der IBU anschauen. Daniel erzählt mir das auf dem Weg zum Parkplatz; oben bin ich warm. So ein Sprint hier rauf hilft besser als ne halbe Stunde  Zelt, wo ich vorher versucht habe, mich aufzuwärmen. Der Brite hat übrigens 0 geschossen. Bei dem Wind! Ich schaue Daniel ungläubig an. Sturm ist der Freund es schlechten Schützen. Ja, das kann nur das Glück des schlechten Schützen sein. Ich weiß gar nicht, ob ihm das von der Platzierung her was gebracht hat (er ist als 51.ter gestartet), hier in meiner Pension in Zinnwald bin ich echt von allen Infos ausgeschlossen. 
Bis zum Start der Damen versuche ich die Wärme mit Turnübungen, kurzens Aufenthalten im Zelt, und Tanzen zu halten.
Nützt nix. Zwar zeigt sich mal kurz die Sonne, mir ist trotzdem kalt.
Bei den Mädels legt Iris Waldhuber einen Start-Ziel-Sieg hin. Ui, ich bin gespannt, wie lange bzw kurz die Ösis brauchen, um im Weltcup auch bei den Mädels mitzumischen. Letztens hatten die ja schon eine Staffel. Es gab Zeiten, da war die einizge Österreicherin eine eingeheiratete Russin. Hatte auch was; genau wie die Schweizer konnten sich die Herren um Luggi und Wolfi auf ihre Chicks konzentrieren *grins*
1900 Zuschauer waren heute im Stadion, da war schon wesentlich mehr los als gestern. Und ich bin sogar in der Zählung mit drin. Weil heute habe ich ordnungsgemäß meine 7,00€ entrichtet. Und weil die Dame von der Sparkasse mir freundlicherweise einen Handwärmer geschenkt hat, verdient ihr Arbeitgeber auch, dass ich hier erwähne, dass das Biathlonstadion im Hofmannsloch natürlich und höchst offiziell "Sparkassen-Arenea" heißt.

Die Heimfahrt am Sonntag Vormittag gestaltet sich ebenso aufregend wie seinerzeit in Oberhof. Der Bus, der mich von Zinnwald nach Dresden bringen soll, fährt am Wochenende nicht. Ich trampe nach Altenberg zum Bahnhof. Aber als ich in Heidenau von der Städtebahn in die S-Bahn wechseln will, hat letztere 10 min Verspätung. Für mich bedeutet das, dass ich den Zug nach Leipzig verpasse - Aber wenigstens bleibt genug Zeit, auf den ICE umzubuchen. Und das, obwohl man jetzt auch am Fahrkartenschalter in Dresden eine Nummer ziehen muss, auch wenn man der einzige Kunde im Reisezentrum ist.

IBU Cup 2011, Altenberg, Sprint der Herren/ men
IBU Cup 2011, Altenberg Sprint Damen/ women
IBU Cup 2011, Altenberg, Verfolgung Herren/ pursuit men
IBU Cup 2011, Altenberg, Verfolgung Damen/ pursuit women

 

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