Überraschung zwischen Schottland und Island

Färöer 2008

Am 19. Juli 2008 geht es in aller Früh bei wechselhaftem Wetter Richtung Hanstholm in Dänemark. Wir sind zu siebent: zwei Männer, drei Frauen, zwei Töchter. Auf der Fahrt regnet es meistens- kein gutes Omen für einen Urlaub auf Island.

Nach 12 Stunden haben wir unser erstes Ziel erreicht, auf der Fähre der SmyriLine müssen wir uns allerdings etwas gedulden, eh wir unsere Kabinen beziehen können. Die müssen noch geputzt werden. Schneiders und die Mädels schlafen in einer Viererkabine, Frank, Reni und ich haben drei Liegen in den Schlafabteilen unterhalb des Frachtdecks. Da ist es ziemlich warm, zu warm für die Schlafsäcke. Zwei Nächte und ein Tag dauert die Fahrt bis Tórshavn, der Hauptstadt der Färöer. Es ist eine ziemlich stürmische Überfahrt. Überall sitzen Leute, denen schlecht ist,  mit Pappbechern rum. Wir haben besonders beim Treppensteigen viel Spaß. Man rennt bei dem Seegang ja eh schon wie besoffen rum, aber auf den Treppen! Da hebt’s einen richtig aus!

Auf den Färöer ist das Wetter nicht besser. Weil es so wenig Zeltplätze geben soll, halten wir uns nach dem Auschecken nicht lange auf, sondern fahren sofort nach Gjögv auf der Insel Esturoy. Die Färöer bestehen aus 18 Inseln, 17 sind bewohnt. Sie liegen nordwestlich auf halben Weg zwischen Norwegen und Island, und aus allen Richtungen kommt reine Seeluft! Kein Punkt auf der Inselgruppe ist mehr als 5 km vom Meer entfernt. Knapp 20000 der 48000 Einwohner leben in Tórshavn. Sie gehören zwar zu Dänemark, aber nicht zur EU! Ein paar der Inseln sind durch Tunnel oder Brücken verbunden, andere kann man nur mit dem Boot bzw. der Fähre erreichen.  Tórshavn liegt auf Streymoy, und nach Eysturoy kommt man über eine Brücke, die einzige Brücke des Atlantik. Und da liegt , wie gesagt Gjógv, ein malerisches Örtchen, in einer windgeschützten Bucht. Leider gab’s da 2008 keinen Zeltplatz mehr. Nur ein Hotel. Da hätten wir uns gern einquartiert, aber für sieben Leute hatten die keinen Platz mehr. Also bewundern wir die Hafenschlucht, machen uns so unsere Gedanken über Walfang und dann schnell auf den Weg nach Eydi, wo es auch einen Zeltplatz geben soll.

Wird auch höchste Zeit. Wir bauen ganz schnell unsere Zelte auf, während immer mehr Leute ankommen. Dann ist der Platz ganz schnell voll – mit zwölf Zelten. Eydi, ebenfalls auf Eysturoy gelegen, liegt auf einer schmalen Landzunge am Fuße des höchsten Berges der Färöer, dem 882 m hohen Slaettaratindur. Und der Zeltplatz liegt genau zwischen zwei Bergen und zwei Fjorden. Da kann der Wind fröhlich komprimiert durch pfeifen. Zwei Container, der eine dient als Küche und Aufenthaltsraum, der andere als Toilette und Waschraum, sind zusätzlich mit Betonklötzern gesichert. Die Zelte bestehen ihre Sturmprobe, allerding habe ich in unseres je links und rechts einen Rucksack gelegt. Erstens soll das verhindern, dass das Zelt bei Abwesenheit evtl. doch wegfliegt, zweitens kann man beim Schlafen mit den Rucksäcken kuscheln, so dass man nicht ständig die Zeltplane im Gesicht hat. Trotzdem schau ich nachts immer mal vorsichtshalber raus, um mich zu vergewissern, dass noch alle Zeltleinen halten.

Aber soweit ist es noch nicht. Es regnet also ununterbrochen. Im Freien kann man sich wegen des Windes eigentlich nur eng an eine der Containerwände gekuschelt aufhalten. Es ist schweinekalt. Dagegen hilft nur Bewegung! Vor uns liegt der Slaettaratindur. Was liegt näher, als da mal raufzulaufen. Natürlich nehmen wir nicht den Weg! Wir krauchen da irgendwie seitlich hoch. Rechts das Meer. Links der Gipfel. Immerhin, wir sehen einen merkwürdigen Fußballplatz. Der ist sozusagen ins Meer gebaut. Weil, die haben ja hier kaum mal ebenes Land. Alles bergig. Das ist natürlich clever. Windgeschützt ist es da unten vermutlich auch, jedenfalls windgeschützter als hier oben. Nur? Was machen die, wenn ihnen der Ball mal ins Meer fällt? Wer muss ihn rausholen? Gibt’s da täglich eine Deppenwahl? Fragen über Fragen...

So wie wir auf den Berg hochkabbeln, wird mir tatsächlich warm. Einmal allerdings hebt mich der Wind fast aus. Da konzentriere ich mich doch lieber auf meine Füße, als auf die atemberaubende Landschaft. Atemberaubend ist hier das richtige Wort. Und das Fotografieren einigermaßen schwierig, weil man die Kamera dabei ja ruhig halten sollte. Oben auf dem Gipfel stehen ein paar alte, hm, Bunker(?) rum und wir haben Sicht auf ein paar im Meer rumstehende Felsnadeln sowie die nächsten Inseln. Zurück nehmen wir dann den Wanderweg. Der Sturm bläst uns so stark entgegen, dass wir uns dagegen lehnen können, ohne umzufallen.

Die Zelte stehen noch. Wir quetschen uns alle in den Küchencontainer. Es sind Holländer da und Franzosen und natürlich noch andere Deutsche. Wegen der strikten Einfuhrbestimmungen nach Island müssen wir alle unseren überzähligen Alkohol vernichten, womit wir schon während des Kochens anfangen. Die Nacht habe ich ja schon beschrieben...

Aus wettertechnischen Gründen entschließen wir uns am nächsten Tag zum Carsightseeing. Wir fahren zu den Nordinseln. Aber erst mal geht‘s zur Tanke an der Atlantikbrücke. Ich versuche, dem Tankwart ein Foto der Isländischen Fußballnationalmannschaft abzuringen. Aber er lässt sich nicht erweichen. Wir fahren nach Leirvik und nehmen nach einer kleinen Besichtungstour den Tunnel zur Insel Bordoy. Dort liegt die zweitgrößte Stadt der Färöer: Klaksvik, 4700 Einwohner. Auf der Insel Vidoy machen wir Halt in Vidareydi. Das Pfarrhaus soll eins der schönsten Häuser der Färöer sein. Jörgen-Frantz Jacobsen machte die einst hier lebende Pfarrfrau Beinta zur Hauptperson in seinem Roman „Barbara“. 

Dann geht’s auf die Insel Kunoy, nach Haraldsund und Kunoy. Die Insel ist die mit der größten Durchschnittshöhe und vom gleichnamigen Dorf aus kann man die Insel Kalsoy sehen. Die ist aber leider nur mit dem Boot zu erreichen – und wir machen ja Carsighseeing. Also geht es nach einer kleinen Wanderung und vielen Fotos wieder in den Schneiderbus zurück nach Klaksvisk und durch einen Tunnel wieder unter dem Atlantik zur Insel Stremoy. Dort fahren wir nach Tjörnuvik, von dessen überwältigender Küste aus wir einen fantastischen Blick zum Staettaratindur haben. Übrigens ist es zwar kalt und natürlich windig, aber es regnet nicht. Manchmal kommt sogar die Sonne raus und der Wind ist wirklich Wind und kein Sturm! Wenn man in Thórshavn die Fähre verlässt, kriegt man so einen kleinen Reiseführer in die Hand gedrückt. An dem orientieren wir uns. Aber alles kann man sich an zwei Tagen natürlich nicht ansehen. Aber aus diesem kleinen Reisführer erfahren wir, dass die beiden Felsen, die vor dem Slaettaratindur aus dem Meer ragen, die versteinerten Isländischen Riesen Risin und Kellingin sind. Als sie die Färöer Richtung Island verlassen wollten, geriet das Ehepaar in Streit, bis die Sonne sie überraschte und zu Stein werden ließ. Auf der Fahrt nach Saksun sehen wir viele Austernfischer, dem Nationalvogel der Färöer. Saksun liegt am Ende des Saksuntales. Eine schmale einspurige Straße führt durch das enge, tief eingeschnittene Tal entlang an einem kleinen Fluss. Das Dorf besteht im Wesentlichen aus dem Hof Dúvurgardur, einem Freilandmuseum. Das Haupthaus und die vielen Nebengebäude gewähren einen kleinen Einblick in das frühere bäuerlich geprägte Leben auf den Inseln. An Kirche und Friedhof vorbei gelangen wir zur völlig versandeten Bucht, die früher ein natürlicher Hafen war.

Wir fahren zurück zum Zeltplatz, kuscheln uns mit den anderen wieder in den Küchencontainer und essen und trinken alles, was nicht mit nach Island darf. Zwar ist das Wetter besser, aber nach Urlaub sieht das alles nicht aus. Die Natur ist natürlich überwältigend und irgendwie würde mediterranes Wetter hier nicht her passen (dann wär’s ja auch nicht so unglaublich grün). Aber drei Wochen so ein Wetter, das macht mir doch ein bisschen Angst. Aber einer unserer neuen Bekannten vom Zeltplatz war schon viermal in Island, und der sagt: So schlechtes Wetter wie hier hatte er da noch nie. Na, das stimmt uns doch optimistisch.

Am nächsten Tag, es müsste Mittwoch sein, packen wir die nassen Zelte ein und versuchen, eine der Westinseln, nämlich Vagar zu erkunden. Leider ist es so neblig, das wir eigentlich gar nix sehen. Auch als wir in Gasadalur aussteigen, nützt uns das gar nichts. Dabei soll das ein ganz bezaubernder Ort sein, der, bevor es den knapp 5km langen Tunnel unter dem Vestmannasund gab, nur über einen steilen Bergpfad zu erreichen war. Auch die Fotos im Reiseführer sehen sehr gut aus...

Wir fahren also zurück auf die Hauptinsel Streymoy und nach Thórshavn. Dort stromern wir durch die Altstadt am Hafen, die ist wirklich niedlich und auf jeden Fall einen Besuch wert. Dann verbringen wir im Café Nature den Nachmittag bevor es zurück auf die Fähre geht. Die war inzwischen in Schottland, hat da Briten abgesetzt und wieder aufgenommen, dann in Norwegen, wo sie das gleiche mit Skandinaviern und Russen gemacht hat. (Kann auch sein, dass sie erst in Norwegen und dann in Schottland war – ich kenn mich da nicht aus). Nun dürfen die Deutschen, Holländer, Franzosen und was sonst noch so vom Festland kommt wieder an Bord.

Fotos

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