Ein Kurztrip auf die Insel

März 2011

Ich bin zum 1. Mal von Altenburg geflogen. Und hatte schon viel davon gehört. Vor allem war mir in Erinnerung geblieben, dass die Flugzeuge beim Start fast die Bäume streifen, weil die Startbahn so kurz sei… Das kann doch aber nur eine starke Übertreibung sein, oder?

Mein Vater fährt mich über Land, es geht durch Dörfer und an Feldern vorbei. Das erste, was dann am Flughafen auffällt, sind die alte, teilweise unterirdischen Hangars. Dann stehe ich in dem kleinen, schnuckeligen Flughafengebäude. Immerhin, es gibt genug Sitzplätze für alle, ein Café und einen Geldautomaten. Der einzige Polizist steht plaudernd neben dem Sicherheitscheck. Der Beamte, der die Pässe und Tickets kontrolliert, nimmt sich die Zeit, die Bordkarten ordentlich mit der Schere abzuschneiden und die Dame am Check In spricht neben ihrem Sächsisch sicher auch Englisch. Alles macht einen unaufgeregten Eindruck. Die Sicherheitskontrollen sind gewissenhaft, für die, die ihre Schuhe ausziehen müssen, gibt es sogar einen Stuhl.

Früher müssen hier mal mehr Flugzeuge gestartet sein, es gibt nämlich zwei (!!!) Gates.

Holpernd rollt das Flugzeug zur Startbahn. Eigentlich guck ich gern aus dem Fenster. Heute konzentriere ich  mich lieber auf mein Buch. Als ich doch mal rausschaue, ist Feld neben mir! Ich mach lieber die Augen zu. Deshalb kann ich das mit den Bäumen weder bestätigen noch dementieren.

Die Landung in London passt zum Start. Es holpert und rumpelt. Gut, dass es jetzt mit dem Zug weitergeht.

Nach Cambridge.

Ich wohne bei Kim und Will, zwei Dozenten der Cambridge University. Er ist Amerikaner, sie Deutsche. Zwei angenehme Zeitgenossen, deren Gesellschaft ich sehr genieße. Und ihr Hund, Mozart, ist eine Hündin. Denn Mozart ist keine Jungenname, wie Will mich aufklärt, sondern ein Familienname… Recht hat er.

Am Freitag begleiten mich alle drei zunächst in die Stadt, durch die Mill Road, wo es unzählige kleine sogenannte Unabhängige gibt (Läden und Restaurants, die keiner Kette angehören),  vorbei an unzähligen Colleges und ein paar Kirchen. Nach einem Kaffee hinter der Round Church trennen wir uns und ich schlendere entlang der Backs, der Rückseite vieler Colleges, genieße die Sonne und sehe dem Punting auf der Cam zu.

Punting, das ist das Befahren des Flusses mit Gondeln.

Die Courts der meisten Colleges sind für Besucher geschlossen oder kostenpflichtig. Doch einige sind frei und offen. Ich sehe mir Clare und Pembroke von innen an, Corpus and Christi und das Christ’s College und einige, deren Namen ich vergessen habe. Die Stadt scheint in dieser Ecke ja nur aus Colleges zu bestehen. Alles macht einen altehrwürdigen Eindruck. Herren mit Melonen auf dem Kopf oder Damen in lila Umhängen bewachen die Eingangsportale derer, die geschlossen oder kostenpflichtig sind. Dass viel hier mehr Schein als Sein ist, lerne ich aus den abendlichen Gesprächen mit Will und Kim.

Doch bevor ich zu meinen Gastgebern zurückkehre, folge ich noch Kim’s Tipp und besuche den Evening Song, den Abendgottesdienst in der King’s Chapel. Der ist für Besucher frei und ermöglicht so den Zutritt zum Court des größten Colleges.

Den Abend verbringen wir in Kims und Will’s hoffnungslos überfüllten Lieblingspub und… das Bier schmeckt hier sogar.

Am Samstag fahre ich mit dem Zug nach London. Ich muss bis 12:00 Uhr im St. George, meinem Hotel am Norfolk Square sein. Das liegt recht günstig, nur 3-4 Minuten Fußweg, von der Paddington Station entfernt. Paddington ist ein hübsches älteres Viertel, mit vielen kleinen Läden, die sich bei genauerem Hinsehen allerdings samt und sonders als Wechselstuben und Barbierläden entpuppen. Mein Hotel ist klein und schmutzig. So schmutzig, dass ich mich ekele, die Bettdecke anzufassen. In den folgenden drei Nächten achte ich peinlichst darauf, mich beim Schlafengehen ins Laken zu wickeln, so dass nicht die geringste Gefahr besteht, mit der Bettdecke an irgendeinem Körperteil in Berührung zu kommen. Das Personal dagegen ist freundlich, das Frühstück wird im Zimmer serviert, den Kaffee rühr ich wiederum lieber nicht an, habe ja eigenen mit, und  der Kühlschrank lädt auch nicht zur Benutzung ein.

Schnell raus in die Sonne!

Ich stürze mich in den Trubel in der Oxford Street, was an einem Samstag eine dumme Idee ist. Ganz London scheint sich hier zum Shoppen verabredet zu haben, inkl. seiner Millionen Touristen. Da geht es im Hyde Park, wo ich mich mit einer sehr alten Freundin treffe, schon gemütlicher zu. Nach dem Bummel vorbei am leider unbesetzten Speakers Corner essen wir Japanisch und quatschen noch ein bissl.

Sonntag ist Rugbytag!

Die Schotten sind in Twickenham zu Gast und müssen unbedingt gewinnen. Erstens haben sie bis jetzt jedes Spiel des Turniers verloren, zweitens haben die Italiener gestern die Franzosen besiegt (zum 1. Mal in der Geschichte der 6 Nations) und 3. bin ich ja extra aus Leipzig eingeflogen. Und irgendwann hab ich es mal verdient, einen Sieg der Schotten life zu sehen.

Ich beschließe, den ganzen Tag in Twickenham zu verbringen und nehme mittags einen der vollgestopften Züge ab Waterloo Station. Die Züge sind wirklich voll, schon am 1. Haltepunkt auf der Strecke passt z.B. niemand mehr in unseren Zug.

Leider gibt es in Twickenham nichts zu sehen außer dem Stadion. Das ist natürlich sehr hübsch mit in Stein gehauenen Rugbyspielern am Haupteingang und einem Monument auf der anderen Seite. Nur, das hat man in einer halben Stunde gesehen. Am Rugbymuseum müsste man so 1 Stunde anstehen und nicht mal Fangucken lohnt sich hier sonderlich.

Und ich hab noch fast zwei Stunden Zeit. Dann treffe ich Matthew, der meine Karte hat.

Das Spiel ist extrem spannend, die Schotten gehen in Führung, zur Halbzeit steht es unentschieden, dann legt Evans sogar einen Versuch, die Engländer leider auch und am Ende bleibt der Calcutta Cup in Twickenham. Will heißen, die Schotten verlieren, nach wieder mal großem Kampf. (Die Geschichte mit dem Fuchs habe ich unter "Wie kommt der Fuchs ins Rugby Stadion" beschrieben)

Wie friedlich Fans mit Polizei umgehen können, zeigt sich auf dem Weg zum Bahnhof, als drei berittene Polizisten lächelnd eine Kreuzung absperrten und die zurück wabernde Menge friedlich und ohne zu Murren auswich.

War es am Sonntag ziemlich bewölkt, schaut am Montag wieder die Sonne raus und ich genieße sie in vollen Zügen an der South Banks, auf dem sogenannten Queens Way am südlichen Ufer der Themse entlang schlendernd. Von London Eye laufe ich bis zur Tower Bridge und den dahinterliegenden Docks, vorbei an der Tate Gallery of Modern Art, Museen, alten Hafenanlagen, dem Shakespeare Theatre, Southwark Cathedral und viel Glas und Beton rings um die City Hall. Dabei habe ich einen phantastischen Ausblick auf das nördlich Ufer. Am Nachmittag mache ich noch einen Abstecher nach Soho und Chinatown, versuche es noch mal mit der Oxford Street und habe nun eigentlich „alles“ von London gesehen. Natürlich könnte ich noch mal eine Bootstour nach Greenwich machen, IN die Museen gehen oder die vielen Parks erkunden. Aber eigentlich muss ich nicht mehr nach London. Nicht mal zum Rugby. Denn das Drumherum hat mir in Edinburgh und Cardiff wesentlich besser gefallen. Twickenham hat keinen Flair. Die Tatsache, dass man mit dem Zug extra hinfahren muss, und natürlich wieder zurück, macht viel kaputt. Vielleicht versuche ich es das nächste Mal ja in Dublin. Oder ich fliege gleich wieder nach Edinburgh.

Ach ja. Fliegen. Ein bissl Angst hatte ich ja vor der Landung in Altenburg. Beim Anflug hatte man auch das Gefühl, durch die Vorgärten der Bauernhäuser zu fliegen und der Sinkflug war heftig. Die Landung allerdings recht sanft. Ich glaube, in Altenburg landet jeder Pilot so konzentriert auf der einzigen und kurzen Landebahn, dass eigentlich nichts passieren kann. Und das Auschecken inkl. Gepäck fassen dauert 20 Minuten. Das ist unschlagbar!

Eigentlich Schade, dass dort bald geschlossen werden soll.

Cambridge
The fox who wanted to play rugby, 2011-03-13-Six Nations England vs Scotland at Twickenham
London März 2011

 

 

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