Schnee vs. Kilt

Edinburgh                                                                4.-9-Februar 2009

 

Nachdem wir letztes Jahr soviel Spaß in Edinburgh hatten, wollten wir auch in diesem Winter wieder zu den 6 Nations. Meinetwegen gern auch nach Cardiff oder London. Aber da war  Claire strikt da gegen. Es musste schon Edinburgh sein. Und weil’s da eben so schön ist, ist Elisabeth diesmal auch mitgekommen.

Das Hinkommen war übrigens schon aufregend genug. Weil nämlich kurz vor unserer Reise die Bahn gestreikt hat. Da hätte man zwar einen Zug eher oder später nehmen dürfen – aber eher fährt nun mal keiner in unsere schöne Hauptstadt und später; da hätten wir den Flieger nicht gekriegt. Zum Glück waren sich die Eisenbahner und ihre Chefs diesmal schnell einig und der Streik war rechtzeitig beendet. Trotzdem ging’s in Leipzig schon mal mit 20 min Verspätung los, die S-Bahn in Berlin war weg und ich ein bisschen aufgeregt. Dann ging’s aber doch irgendwie nach Schönefeld. Allerdings waren zwei Drittel des Flughafens von Polizei gesperrt; wir mussten über ein paar Barrieren klettern und konnten endlich einchecken... Der Flug selbst war dann vergleichsweise ruhig. Diesmal waren auch nicht so viele Kinder an Bord.

 

Raus aus dem Schmuddelwetter hinein in die Sonne! So könnte man eine Februarreise nach Schottland auch nennen. Allerdings war es empfindlich kalt, was von einem unangenehmen Wind kam. Wir sind erst mal in unser B&B. Und weil wir im letzten Jahr so unsere Probleme mit den Bussen hatten, sind wir diesmal lieber gleich mit dem Taxi gefahren. Diesmal hatten wir uns in der Priestfield Rd einquartiert, ganz nahe am Arthur’s Seat. Wir haben dann auch gleich das gute Wetter genutzt, sind an der Uni vorbei hoch zum Queens Drive und auf diesem, den herrlichen Ausblick auf die Stadt genießend, rüber zum Holyrood Castle gewandert. Dann konnten wir Elisabeth gleich noch die Royal Mile zeigen und weil Elli unsere Kulturverantwortliche ist, ging’s auch noch ins Museum. Und dann haben wir das mit dem Bus fahren doch noch geschafft!

Manche Dinge brauchen eben etwas länger.

 

Unser B&B war zwar auch ein altes Viktorianisches Haus, aber die Zimmer glücklicherweise funktional eingerichtet. Nur ein bissl kalt war’s auch in den Räumen. Und das Wasser reichte irgendwie nicht zum Duschen. Dafür gab’s ein ganz ausgezeichnetes Frühstück; allerdings habe ich mir auch dieses Jahr wieder Haggis und Porridge geschenkt. Und weil es einen Fernseher auf dem Zimmer gab, konnten wir abends, wenn wir völlig fußlahm vom Stadtgucken in den Betten rumlagen, zusehen, wie England und Wales im Schnee „versinken“. Dort ging wirklich nichts mehr und die Menschen machten einen sehr verzweifelten Eindruck; viel Schnee konnten uns die Nachrichtensender aber beim besten Willen nicht präsentieren.

Wegen des guten Full Scottish Breakfast waren wir auch innerlich recht gut gegen die Kälte gewappnet, so dass wir uns, neben den üblichen Bummeleien durch Old and New Town (diesmal hatten es mir besonders  Grassmarket, Cowgate und Candlemaker Row angetan) noch ein 2.Mal aus "der Satdt raus" wagten, nämlich rauf zum Calton Hill. Von dort aus hat man nicht nur einen fantastischen Ausblick über Stadt und Hafen, sondern kann auch weit ins Land und übers Meer hinaus sehen.

 

Am Freitag mussten die Mädels dann unbedingt Klamotten kaufen. In der Princess Street. Ich hab aber auch was für mich gefunden. Smile

Am Freitag reisten auch die Waliser an, wegen des Spieles am Sonntag. Zwar fuhr in London keine U-Bahn mehr und in England und Wales blieben Leute auf der Straße liegen wegen des Schnees. Verzweifelte Mütter in Notunterkünften hatten uns aus dem Fernseher angeweint, Schneeräumfahrzeuge aus Deutschland und Spanien mussten zu Hilfe eilen, – wenn’s aber um Rugby geht, findet der Waliser einen Weg. Hinweg über 5-10cm Schnee und alle dadurch ausgelösten Unannehmlichkeiten und Katastrophen.

Plötzlich war die Stadt voll - gut das wir schon zwei Tage eher da gewesen sind. In den Pubs wurde gefeiert und mir ist nun klar, warum Frauen nach Schließung der Pubs nicht mehr allein durch die Rose Street schlendern sollten.

 

Wiir haben die feiernden Waliser allein gelassen und sind am Samstag raus aus der Stadt - diesmal richtig -  mit dem Zug nach Stirling. Dort haben uns Douglas und Morag aufgelesen und mit zu sich nach Hause nach Alloa genommen. Seit dieser Autofahrt weiß ich, dass ich im Sommer an den Kreisverkehren scheitern werde. Mir schwant Böses...

Weil Douglas seit mehr als 30 Jahren kein Heimspiel des Alloa AFC verpasst hat, mussten wir also mit zum Fußball. Das war ungefähr wie beim Roten Stern. Nur das die ein Stadion haben, die Schotten meine ich. Und Plastikrasen. Plastik! Nicht Kunstrasen! In der Halbzeitpause hat uns der Stadionsprecher dann vorgestellt und sich für unseren Support bedankt. Hat ja auch geholfen. Alloa gewann 3:2.

Ich hatte ja ein bisschen Schwierigkeiten, den Douglas zu verstehen. So musste ich manchmal drei mal nachfragen. Das war ganz schön peinlich. Aber nach dem Spiel hatte ich mich eingehört und es lief etwas besser. Mit Morag gab’s eh keine Probleme. So konnten wir beim Abendessen beim Inder auch ordentlich Konversation betreiben und danach habe ich dann gelernt, was Wee ist. Aber wie im richtigen Leben habe ich auch da beim Bowlen verloren.

 

Und am Sonntag endlich das Rugby Spiel. Schottland - Wales. Die ganze Stadt voller Drachen, Kilts und Disteln. Es hat einfach nur Spaß gemacht, die Atmosphäre aufzusaugen. Und wenn die Briten auch an 5cm Schnee scheitern, Kälte macht ihnen, zumindest wenn sie Schotten sind, nach wie vor nichts aus. Wir haben ganze Familien in Kilts gesehen; also die männlichen Teile der Familie. Vater und Söhne , so ab 6, alle in Kilts und Kniestrümpfen. Ich dagegen hatte mir alles angezogen, was ich im Koffer finden konnte und irgendwie übereinander passte! Weil an diesem Sonntag war es richtig richtig kalt. Und dann saßen da auch noch welche mit freiem Oberkörper da!!!

Während Claire und ich dann im Murrayfield Stadion waren (und gefroren haben), ist Elisabeth abgetaucht in Mary King’s Close. Dass das zum Pflichtprogramm  gehört, hatte ich im letzten Jahr ja schon erwähnt.

Im Stadion war Claire dann begeistert von unseren Sitzen: 3. Reihe!!! Wir konnten es nicht wirklich fassen. Ok, um den Überblick über’s Spiel zu behalten, sollte man weiter oben sitzen. Aber so die Jungs von Nahen zu sehen, ist ja auch mal was. Und die sind ja wirklich riesengroß. Kleininch war schwer beeindruckt.

Die Schotten haben wie immer tapfer gekämpft, hatten auch ein paar gute Chancen, und haben ziemlich klar verloren.

Übrigens, um das mal festzuhalten, sind wir nicht die Einzigen, die wegen eines Rugbyspiels nach Schottland fliegen. In unserem B&B waren zwei Brüder aus Deutschland und im Flieger nach Hause noch mal zwei Jungs. Also.

 

Der Rückflug war dann auch noch mal spannend, weil es nämlich in der Nacht zum Montag auch in Schottland zu schneien angefangen hat. Nur ein bisschen. Trotzdem, das Taxi kam 15 min früher, was uns ein bisschen unter Druck setzte (drei Frauen am Morgen und nur ein Bad und dann auch noch 15 min weniger Zeit!!!) und es waren eine ganze Menge Flüge gecancelt, auch solche nach Deutschland. Auf dem ganzen Flughafen lagen Walisische Fans rum. Die waren wahrscheinlich vom Pub direkt zur Wartehalle gewackelt. Aber diesmal hatten wir Glück. Unser Flieger ging und brachte uns raus aus einem Land, wo Männer auch bei Minusgraden mit freiem Oberkörper rumrennen, sich aber von etwas Schnee außer Gefcht gesetzt sehen. Ich mag sie trotzdem.

 

Die Stadt                                                                  Das Spiel

 

 

 

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