Six Nations
Schottland - Frankreich
Edinburgh, 2.-5.Februar 2008
So, nun hab ich’s also endlich getan. Wie heißt es doch so schön: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Und nachdem ich immer wieder gedacht habe: man müsste mal... habe ich irgendwann im letzten Jahr Tickets fürs Six Nation’s Turnier bestellt. Und dann die Flugtickets und die Zugtickets... Und weil ich  mich schon ein bissl selbst gefragt habe, ob ich nicht vielleicht doch einen leichten Schaden habe, nur wegen eines Rugby matches nach Schottland zu fliegen, habe ich noch einen Tag drangehängt- zur Besichtigung der Hauptstadt und als Ausrede gegenüber Freunden, Verwandten und auch mir selbst. Kurztrip nach Edinburgh inklusive Besuch eines Rugbyspieles klingt irgendwie besser als...
Das Kind hab ich auch mitgenommen. Wenn das kein Urlaub ist!
Dann waren wir am 1. Abend aber so begeistert von der Stadt, dass wir das Besuch des Spieles schon ein bisschen als Zeitverschwendung bedauert haben. Aber der Reihe nach...
Im Flieger waren unglaublich viele Kinder- natürlich mit ihren Schottischen Eltern. Die, die Kinder, waren genauso nervig wie überall auf der Welt. Aber das nur am Rande.
Ankunft in Edinburgh am Samstag Nachmittag, und während der Busfahrt vom Airport zur Waverley Station verrenken wir uns schon fast die Köpfe- so viel gibt’s zu sehen. Der Bus ist natürlich voll von Franzosen - so haben die Kinder keinen Platz. Die Franzosen haben schon ordentlich vorgefeiert... Die Flüge müssen auch sehr entspannend gewesen sein.
An der Waverley Station im Zentrum der Stadt versuchen wir das mit den Buslinien rauszukriegen. Wir sind auch ziemlich erfolgreich. Aber als endlich die Nr.16 kommt und ich den Fahrer frage, ob er in der Morningside Rd. hält, schüttelt der den Kopf... Gut, laufen wir die 3,5 km eben. Das ist eine wirklich gute Idee, weil es gibt da schon soviel zu sehen. Wir sind hin und weg.
Im Stadtteil Morningside, das liegt im Süden Edinburghs und strategisch günstig nah bei Murrayfield,  logieren wir in einem Viktorianischen Haus, das auch Viktorianisch eingerichtet ist. Es ist ein bissl wie im Museum... und es darf auch nix verrückt werden. Ich versuch es trotzdem und platziere den Laptop auf dem Schreibtischlen... Clarissa, die Wirtin, räumt ihn wieder weg und legt das Gästebuch an seinen Platz. Aber naja, nur für drei Nächte, das passt schon, und irgendwann haben wir auch gelernt, dass wir aus dem Bett hüpfen müssen, wenn wir Verletzungen vermeiden wollen.  Natürlich spukt es!!! Also, das Klopfen stammt von einer einsamen Hagebutte, die bei Wind gegen die Fensterscheibe schlägt. Aber dem Tuten kommen wir nicht auf die Spur.
Am Sonntag müssen wir erst mal ins Murrayfield Stadium, unsere reservierten Tickets abholen. Wir laufen. 1. wissen wir nicht, wie wir mit dem Bus hinkommen sollen, 2. wollen wir ja so viel wie möglich sehen. Wir laufen also vom Stadtviertel Morningside ins Stadtviertel Murrayfield. Durch Wohngebiete, die so schön und Britisch sind, dass wir uns wieder mal nicht einkriegen. Jedes, aber auch jedes Klischee wird erfüllt. Und das geht so weiter. Vom Stadion laufen wir zum Haymarket und lernen, dass ein Schloss kein Schloss sondern ein College ist.. Naja, wir haben ein paar Bilder ausgewählt. Seht sie Euch an.
Am Nachmittag sind wir natürlich im Stadion ( das oben war nur ein Scherz). Wir hatten anfangs Angst, dass nur Franzosen da sind, so voll ist die Stadt. Aber je näher der Spielbeginn rückt, desto mehr Schotten pilgern dann doch zum Stadion. Und ein paar junge Leute verteilen kleine Heftchen mit den Liedtexten für die Feiern nach dem Spiel, einschließlich "O Flower of Scotland" und einem Französichen Lied und natürlich einer Liste der wichtigsten Pubs. Na wenn das mal kein Service ist. Glücklicherweise sitzen wir nicht unter den Französischen, sondern unter den Schottischen Fans. Naja, ist ja eigentlich fast klar, dass die Blauen gewinnen, aber ein bisschen hoffen darf man ja. Aber dann war das Spiel der Schotten so dermaßen zerfahren. Sie haben zwar gekämpft bis zum Schluss, aber 1. haben die Franzosen einfach mal ne prima Abwehr und 2. sind Fehlpässe immer Scheiße und Vorwürfe auch. Und ICH finde ja auch, ein Chris Paterson gehört von Anfang an ins Spiel...
Am Abend treiben wir uns dann auf der Princess Street und der Royal Mile rum... mit ungefähr ..., naja, vielen Tausend anderen Fans eben.
 
Das machen wir am Montag dann eigentlich auch. Also Royal Mile, Princess Street Gardens  und Edinburgh Castle. Natürlich steigen wir auch hinunter in Mary King’s Close und das kann ich nur jedem Edinburgh Reisenden empfehlen. Weil da unten kriegt man erst wirklich eine Idee davon, wie es im Mittelalter gewesen sein muss: GRUSELIG!!!
Oben können wir uns nach wie vor nicht satt sehen. Claire meint immer, hier sieht‘s aus wie in jedem Englisch-Lehrbuch. Dankenswerterweise sprechen die Edinburgher auch ein für deutsche sehr verständliches Englisch ( was die Engländer so gar nicht verstehen können) und die vielen Franzosen stören auch nicht, weil die verstehen wir ja auch. *smile*  Ich liebe ja die Taxen und hoffe sehr, dass uns am Dienstag so ein Teil zum Flughafen bringt (tut es auch!).
Edinburgh ist einfach ne schöne Stadt, die Schotten ein sympathisch/ durchgeknalltes Volk  - ich meine, wer rennt schon im Winter im Kilt und mit nackigen Beinen rum?- und wir freuen uns schon jetzt auf den Sommer 2009, wenn es für drei Wochen in die Highlands geht.
 
Die Stadt                                                                        Das Spiel
 
 
Ps.: Ich weiß jetzt übrigens auch, was der Schotte unterm Rock trägt und bin immer noch ziemlich schockiert. SOWAS passiert aber wieder auch nur mir. Das Kind, so habe ich nach einer peinlichen Befragung rausgefunden, hat die Lektion in Sachen Aufklärung zum Glück verpasst, weil es wieder irgendwas fotografieren mußte... da hat sich das Weihnachtsgeschenk, die neue Kamera, ja schon bezahlt gemacht.
*erleichtertbin*
 
 

 

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