Biathlonweltcup 2012
Nove Mesto/Tschechien, 11.-15. Januar
 

Nachdem ich ein paar Jahre den Weltcup gemieden und stattdessen zum IBU-Cup gefahren bin, wollte ich mich in dieser Saison doch mal wieder ins Getümmel stürzen. Dabei ist Getümmel nicht all zu wörtlich zu nehmen. Gerade das hatte mich ja aus dem Weltcup vertrieben. Ich hatte mir Frankreich ausgesucht – aber der wurde wegen Schneemangel nach Hochfilzen verlegt. Also kam ich auf Tschechien. Aus Gründen hatte ich die Unterkunft diesmal nicht privat, sondern über einen Reiseanbieter gebucht. Mit im Paket war auch gleich die Dauerkarte für den Weltcup.

Zunächst aber ging es am Dienstag erstmal mit dem Zug nach Brno, wo ich bei einem kleinen Nachtspaziergang zu der Erkenntnis kam, dass sich in dieser Stadt durchaus auch mal ein Kurzurlaub lohnen würde. Bedenklich stimmten mich die Temperaturen, doch am nächsten Morgen, als ich mit dem Zug weiter Richtung Nove Mesto fuhr, besserte sich das Bild. D.h., nachdem ich in Tisov fast in den falschen Zug gehopst wäre, ging es doch hinauf und hinein in den Schnee.

Nachdem mich Mike vom Bahnhof abgeholt und ich in der Pension die anderen Mitreisenden kennengelernt hatte, ging es am Mittwoch per Kleinbus „hinunter“ nach Nove Mesto ins Biathlonareal. Die haben da, wegen der im nächsten Jahr dort stattfindenden WM schön neu gebaut. Die Tribünen sehen von hinten aus wie gigantische Betonmonster, eignen sich aber neben ihrer eigentlichen Bestimmung hervorragend als Unterschlupf für die Versorgungsmeile. Und die war vom feinsten. Da wurden an sicher drei Dutzend Ständen regionale Köstlichkeiten angeboten. Nix mit Bratwurst, Steak oder Pommes Frites. Dafür Schwein am Spieß, Schaschlik, Reibekuchen, diverse Würste, Gulasch, Fisch vom Grill, Fleisch vom Grill, und sogar ein Räucherofen stand da. Dazu das unschlagbar leckere Tschechische Bier, sowie ein ganz hervorragender Punsch. Schnaps gabs auch und Glühwein, und natürlich auch Kaffe und Tee.

Während meine Mireisenden sich nach dem ersten kulinarischen Hochgenuss auf die Tribüne verkrümelten, suchte ich mir ein schönes Plätzchen an der Strecke. Damen Einzel. Wo kann man besser jede, aber auch jede Athletin in Ruhe fotografieren? Als ich so knapp 400 Bilder hatte, bin ich auf die Tribüne gegangen. Noch war ja alles entspannt und ich konnte beliebig hin und her rennen. Mike hatte für seine Kunden wirklich super Karten besorgt, aber – ich bin ein Streckenschwein. Im Stadion passiert mir einfach zu viel. Von rechts sieht man die Athleten einfahren, dann geht es links über eine Brücke zum Schießstand. Obwohl der gut zu sehen ist, bin ich hoffnungslos überfordert. Wer schießt wohin? Oh! Da kommt ja die Domratschewa! Äh, wie? Wer? Hat jetzt die Neuner getroffen? Nein, da schaue ich lieber auf die Anzeigetafel oder die Livebilder auf den Videoleinwänden.

Das Festzelt zu erreichen, ist etwas schwierig. Man muss ganz aus dem Stadion raus und ein halbes Mal rund herum... Kein Wunder, dass da niemand, wirklich NIEMAND, ist, als wir nach dem Rennen mal reinschauen. Ich mach schnell noch ein Foto, bevor auch der DJ einsieht, dass das alles irgendwie sinnlos ist und einpackt. Wann habe ich zuletzt ein leeres Festzelt gesehen? Habe ich sowas überhaupt schon mal gesehen?

Am Donnerstag, so gegen Mittag, wir warten drauf, dass uns Martin wieder ins Areal fährt, kommt Bewegung in die gemütliche Pension. Erst reisen die Olsberger Biathlonfreunde an, eine vielleicht 12 Mann starke Herrentruppe, die wie eine Invasion über uns herein fällt und fröhlich ihre Zimmer bezieht. Dann kommen noch ein paar Kunden von Mike, ca ein halbes Dutzend Freunde irgendwo aus dem Osten. Das ist alles fast so aufregend wie das Rennen, zu dem wir wollen.

Einzel Herren. Sogar Zdenek Vitek ist dabei. Wusste ich doch, dass es sich lohnt, her zu fahren. Er wird von den Tschechen gefeiert wie ein Sieger. Tatsächlich gewinnt der Makowejew vor Svendsen und dem alten Haudegen Björn Ferry.

Obwohl das Festzelt gestern leer war, probieren wir es heute wieder. Ausser uns, wir sind inzwischen immerhin so 15 Leute, und ein paar Russen ist niemand dort. Dann verpassen wir fast, zur Siegerehrung ins Stadtzentrum zu fahren. Mike dreht sich und organisert und macht... am Ende kriegt er alle seine Kunden pünktlich runter.

Auf dem gut gefüllten Platz im Stadtzentrum spielt eine wirklich gute Tschechische Band und die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen. Als die gehen, gehen auch die Kreischis und ich stehe sofort vorn an der Bühne, Kamera im Anschlag.

Nach den Siegerehrungen für die Rennen gestern und heute gibt es ein phantastisches Feuerwerk.

In der Pension hat sich die Herrenrunde inzwischen eingesungen. Jemand, schon ziemlich angetütelt, gibt mir sein Handy zur Aufbewahrung. Mir ist es ein bisschen zu laut und ich verziehe mich in mein Zimmer.

Am Freitag steht der Sprint der Frauen an. Ein böiger Wind pfeift durchs Biathlonstadion und zu allem Überdruß fängt es auch noch an zu schneien. Heute sind gute Schützinnen gefragt. Folgerichtig gewinnt die einzige Nullschützin des Tages, die Russin Olga Saitsewa. Ich versuche, an der Strecke zu fotografieren und gleichzeitig die Kamera einigermaßen vor den Schneemassen zu schützen. Als alle Athletinnen mindestens einmal an mir vorbei sind, verziehe ich mich auf die Tribüne. Aber nicht auf die A direkt an der Ziellinie, die ist mir viel zu voll. Ich nehme die links, da kann ich nicht nur den Durchlauf, das Ziel und die Schießstände gut sehen, sondern auch die Biathleten beim Umziehen und bei diversen Interviews beobachten. Oder ich könnte. Es schneit nämlich mittlerweile so heftig, dass man gar nichts mehr sieht. Es ist mir ein Rätsel, wie die da vorn die Scheiben sehen.

Intelligenterweise verzichten wir heute auf's Festzelt und fahren mit Mike sofort nach der flower ceremony zur Pension. Das Schneetreiben ist so heftig, dass wir einmal anhalten müssen, weil es um uns rum nur weiß ist und die Straße nicht mehr zu erkennen. Durch Schneeverwehungen lavriert Mike uns aber sicher zum Ziel. Und das an einem Freitag, dem 13.

Wir warten immer noch auf Sonnenschein. Aber auch am Samstag fängt es pünktlich zum Sprint der Herren an zu schneien. Windig ist es auch, aber wenigstens nicht so böig. Vor dem Wettkampf aber fahren wir endlich noch mal in das Städtchen und machen ein bisschen Sightseeing. Mit dem Shuttlebus geht’s von da aus dann in die Skiarena. Hinter den Fressbuden beobachten wir einen Koch beim Pinkeln. Schürze zur Seite und ab geht’s. Uaah, nicht daran denken, wenn ich die nächste lokale Köstlichkeit teste.

Neben anderen Sportlern läuft uns Martin Fourcade über den Weg. Mit dem brauch ich ein Foto. Er zeigt sich ausdauernd, denn der, dem ich den Fotoapparat in die Hand drücke, kommt mit der Technik nicht zurecht. Dann kommt noch ein Auto... Aber der kleine Franzose wartet bis alle passt. Merci!

Andrea Henkel hat es etwas eiliger, aber Zeit für ein Gruppenfoto. Karsten wird sich nach dem Rennen ins Skihotel setzen und warten, bis „seine“ Magdalena Neuner endlich kommt. Abends ist er dann seelig, mit seinen Fotos und dem Autogramm.

Heute sind über 13000 Zuschauer im Stadion, darunter neben den Deutschen viele Russen und Norweger. Aber auch die Einheimischen nehmen den Weltcup gut an und strömen wieder zuhauf ins Stadion. Die Stimmung ist ausgezeichnet, das Publikum ausgesprochen fair und auch an der Strecke stehe ich schon lange nicht mehr allein.

Ich warte wieder bis auch der letzte Starter, Zdenek Vitek, an mir vorbei ist und platziere mich wieder auf meine Lieblingstribüne. Es gewinnt ein Russe. Aber der Amerikaner Russell Courier geht als Zweiter vom letzten Schießen weg und wird frenetisch angefeuert. Am Ende ist er Sechster und, neben Vitek, der Liebling der Zuschauer. Simon und Martin Fourcade werden Zweiter und Dritter. Zwei Brüder! Die liefern die schönsten Bilder des Tages.

Am Abend gibt es wieder die Siegerehrungen für die letzten zwei Rennen auf dem Marktplatz in Nove Mesto. Wieder spielt vorher eine Band. Wieder ist der Platz voll. Nur diesmal gehen die Kreischis nicht mit der Band, weil nämlich gar nicht so viele vorn stehen. Stattdessen habe ich eine Französische und ein paar Russenfahnen vor der Nase.

Die Sängerknaben der Pension sind heute müde oder unvollständig. Jedenfalls ist es heute fast ruhig im Gastraum der Pension. Es wird ein angenehmer Abend mit guten Gesprächen, Bier, Fototausch und einem glücklichen Magdalena-Neuner-Fan.

Sonntag. Zwei Rennen. 18000 Zuschauer. Glücklicherweise esse ich schon vor dem Start der Damen, denn in der Pause quillt die Fressmeile über von Menschen.

Natürlich schneit es wieder. Ich stehe für den ersten Durchlauf an der Strecke, dann rase ich zur Tribüne. Langsam lerne ich auch, zu verstehen, was so im Stadion passiert. Als Magdalena Neuner allerdings nach scheinbar einem Schuß das Gewehr schuldert und abdampft, bin ich verwirrt. Crossfeuer! Sie hat auf Tora Bergers Scheiben gezielt, vier mal getroffen, dann, bei einem Klemmer ihren Fehler bemerkt, den letzten Schuss auf die richtigen Scheiben abgegeben. 5x getroffen und doch 4 Strafrunden! Das ist bitter. Berger dagegen ist verwirrt, wechselt nach Rücksprache mit der Jury auf einen anderen Stand. Am Ende gewinnt sie.

Beim Verfolgungsrennen der Herren meinerseits dasselbe Spiel. Schipulin gewinnt vor den Fourcade-Brüdern. Aber auf der Anzeigetafel wird Arnd Peiffer als Zweiter geführt. Hä? Irgendwas läuft hier falsch. Und die Siegerehrung läßt auch auf sich warten. Vermutlich ein Protest. Aber was ist passiert? Endlich die Aufklärung: Peiffer hat nur einmal nicht getroffen, da aber zwei Scheiben stehen geblieben sind, ist er eine Strafrunde zuviel gerannt. Dafür gibt es nun 20 sec Zeitgutschrift. Das ist bitter für Simon Fourcade, der nun Vierter ist. Aber gut für die Deutschen, die nach Neuners Faux Pas doch noch etwas zu feiern haben.

Und dann ist er vorbei, der Weltcup in Nove Mesto. Die Tschechen waren hervorragende Gastgeber, warmherzig, emsig und kritikfähig. So wurde der Zugang zum Festzelt geändert. Statt ganz außen rum zu rennen, ging es nun an den Wachskabinen vorbei auf kürzerem Weg.

Ich habe ne ganze Menge netter Menschen kennen gelernt.Und hatte viel Spaß.

Mike als Reiseveranstalter hat sich wunderbar darum gekümmert, dass alles reibungslos abläuft. Wäre es mir bei WM’s nicht grundsätzlich zu voll, würde ich hier im nächsten Jahr glatt noch mal herfahren. Aber es gibt ja noch andere Weltcuporte, an denen ich noch nicht war. Die werden es allerdings schwer haben, Nove Mesto zu toppen.

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Biathlonweltcup 2012, Nove Mesto, Verfolgung Herren
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Biathlonweltcup 2012, Nove Mesto - Das Drumherum

 

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